vielfalt gegen einfalt: die proteste gegen die „demo für alle“ in stuttgart

weit über 1000 menschen prostestierten am gestrigen sonntag in stuttgart gegen die „demo für alle“. diese konnte einen weiteren zulauf verzeichen: ca. 5000 homophobe aus allen rückwärtsgewandten lagern marschierten unter dem motto „ehe bleibt ehe“ gegen die vielfalt des lebens.

die breitere mobilisierung der letzten wochen in der linken szene hat früchte getragen. es kamen über 1000 menschen nach stuttgart, um gegen die rechte „demo für alle“ zu demonstrieren und sie zu blockieren. zunächst schien, wie schon die male (1, 2) zuvor, „the same pocedure as every year“ angesagt zu sein. es fand eine kundgebung mit musik auf dem schlossplatz statt, dann zogen alle zum blockadepunkt am eingang zum schillerplatz. die bullen sorgten mit einem großen aufgebot dafür, dass die homophoben mit kind und kegel zu ihrer demo gelangen konnten. auch dort bot sich das gleiche bild: eine große menschenmenge in rosa und blau. familien, jugendliche, pfaffen in soutane, nazis aller couleur, hooligans, afd’ler*innen, csu- und cdu-anhänger*innen und vielen menschen aus ganz deutschland und mehreren europäischen ländern. wirre reden über „gender-terror“, den „wert der ehe zwischen mann und frau“ und die „diktatur der minderheit“ zeigten einmal mehr, dass ein leben unter der knute dieser leute ein horror wäre. für fast alle.

doch plötzlich setzte sich die blockade in bewegung: über den schlossplatz, am eckensee vorbei durch den akademiegarten gelangte eine große zahl menschen auf die konrad-adenauer-straße und konnte diese zum ersten mal in ihrer ganzen breite besetzen: hier sollte die „demo für alle“ durchkommen. ziemlich schnell zogen die bullen ihre kräfte dort zusammen und konnten allein durch den aufmarsch eines bfe-zuges und ohne gegenwehr die straßenseite am hauptstaatsarchiv freiräumen und diese durch etliche wannen sichern. warum dieser teil der blockade so leicht aufgegeben wurde, ist mir rätselhaft.

nun konnte die „demo für alle“ wie schon die vorherigen male ungehindert zum opernhaus marschieren und diesen großflächig füllen: es waren wirklich um die 5000 menschen. diese mussten aber einen großen wermutstropfen hinnehmen: der coolste banner-drop seit jahren sorgte dafür, dass sie ihre abschlusskundgebung unter einer riesigen regenbogenfahne mit der aufschrift „vielfalt“ abhalten mussten. aktivist*innen hatten diese am balkon des opernhauses befestigt und ihnen damit klar gemacht: „wir wollen euch hier vor unserem theater nicht haben!“.
trotz deutlich kälterem wetter stiegen auch gestern einige aktivist*innen in den eckensee, um den homophoben vollpfosten eine abkühlung zu verabreichen und den protest näher an sie ranzutragen.

das zahlenverhältnis entwickelt sich so langsam zu unseren gunsten. lag es im juni bei ca. 10:1, waren wir gestern schon bei ca. 5:1 angekommen. wir sollten an der verstärkten mobilisierung mit veranstaltungen und zugtreffpunkten festhalten, dann schaffen wir es beim nächsten mal, die „demo für alle“ richtig zu blockieren.

die bullen zeigten sich gestern wieder einmal sehr gewaltorientiert und als feind*innen der pressefreiheit. es gab noch mehr überwachung, noch mehr festnahmen, noch mehr pfefferspray, noch mehr knüppel und in bester cowboy-manier ritt die pferdestaffel in die menge rein. an vielen stellen wurden vertreter*innen der presse trotz presseausweis nicht durchgelassen oder auf umwege geschickt. allein mir passierte das gestern zwei mal. ein fotograf berichtete, dass ein bulle seinen presseausweis haben wollte, um dessen daten über funk prüfen zu lassen. pressefreiheit is dead.

wir lassen uns nicht unterkriegen.
wir gehen jedes mal gegen die „demo für alle“ auf die straße.
für eine welt der vielfalt.

[lest auch den bericht des aabs]

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