Filmvorführung: „Luft zum Atmen – 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum“ am 20.09. im R12

[Nachdem im Mai der sehr sehenswerte Film Jenny im R12 lief, wird nun diese beeindruckende Doku über die Arbeitskämpfe der letzten 40 Jahre bei Opel gezeigt. Unbedingt anschauen. Mal was anderes wie bescheuerte Superheld*innen, die zum 1000 Mal die Erde retten…gähn.]

D 2019, 70 min, Regie: Johanna Schellhagen/labournet.tv

1972 gründeten ein paar Arbeiter und Revolutionäre bei Opel in Bochum die „Gruppe oppositioneller Gewerkschafter“(GoG). Die GoG existierte über 40 Jahre und hat mit ihrer radikalen Betriebsarbeit den Widerstandsgeist in der Bochumer Belegschaft befeuert.

Als Betriebsräte gaben sie geheime Informationen an die Belegschaft weiter, sie sorgten für achtstündige Betriebsversammlungen, kämpften gegen Krankenverfolgung, organisierten ihren eigenen Bildungsurlaub und versuchten sogar, auf eigenen Faust direkte internationale Solidarität zwischen den verschiedenen General Motors Belegschaften in Europa herzustellen, um sich gegen die Standorterpressungen in den 90er Jahren zur Wehr zu setzen.

Ihre radikalen Aktivitäten kulminierten schließlich im wichtigsten Wilden Streik der deutschen Nachkriegsgeschichte, als die Belegschaft im Oktober 2004 sechs Tage lang das Werk besetzte und die Produktion in ganz Europa lahmlegte.

Ein Portrait von Kollegen, die sich Gehör verschafften. Ihre Praxis einer unbeirrten Betriebspolitik von unten zeigt, dass Widerstand möglich ist. Auch heute. Auch in Großbetrieben.

Regie, Ton und Schnitt: Johanna Schellhagen, Kamera: Thilo Schmidt, Milica Denic, Zara Zandieh, Mischung: Birte Gerstenkorn und Joel Vogel, Grafik: Zoff Kollektiv, Musik: Tomi Simatupang & AK Kessel, Animation: Julien Bach, Verleih: Sabcat Media, Produktion: labournet.tv

Im Rahmen des wöchentlichen Kneipenabends zeigt euch das R12 diesen sehenswerten Film über radikale Arbeitskämpfe.

Freitag, 20.09.2019
19 Uhr 30
Im Linken Zentrum R12, Rammersweierstraße 12, Offenburg

Weitere Aufführungen des Films: de.labournet.tv/auffuehrungen-von-luft-zum-atmen
Weitere Infos zum Film: sabcat.media/filme/luft-zum-atmen-40-jahre-opposition-bei-opel-in-bochum/

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Heute im R12: Der Spielfilm „Deckname Jenny“

[alarm Offenburg zeigt den Spielfilm „Deckname Jenny“.]

Filmvorführung gegen Spende und anschließende Diskussion mit der Filmemacherin

Freitag, 24.05.2019, 19 Uhr im Linken Zentrum R12.

Ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer. Jennys Bande schaut nicht mehr zu. Und handelt. Doch als Jennys Vater deren militante Ambitionen herausfindet, muss er sich seiner eigenen Vergangenheit als Mitglied einer Stadtguerillagruppe stellen. Der Deckname „Jenny“ und dessen klare Zuordnung verschwimmt um so mehr, je gefährlicher es für alle Beteiligten wird. Eine Geschichte zwischen Liebe und Verrat, Hoffnung und Resignation, Widerstand und Freundschaft.

Mit der Musik von Guts Pie Earshot // Nomi & Ain

Trailer: https://vimeo.com/251190328
Website: https://jenny.in-berlin.de/

Ab 19 Uhr gibt es vegane VoKü.

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Straßenfest und Fahrraddemo forderten „Klimawandel stoppen! Verkehrswende jetzt!“

Nur wenige Menschen fanden am vergangenen Samstag den Weg auf das Straßenfest „Klimawandel Stoppen! Verkehrswende jetzt!“ in der Lange Straße in Offenburg: Dem Dauerregen gehörten die Straßen…

Fand am 16.03.2019 schon die „Klimademo für eine lebenswerte Ortenau“ statt, sollte das Straßenfest die Forderungen konkretisieren und zeigen, was es heißen könnte, wenn die Straßen den Menschen und nicht den Autos gehören, wenn wir wieder frei atmen und uns frei bewegen könnten.

Bei ausdauerndem Regen – mal nieselnd, mal prasselnd, , mal platschend, mal graupelnd, mal senkrecht, mal waagerecht – bauten Fridays For Future (hxxps://www.facebook.com/pages/category/Political-Organization/FridaysforFuture-Offenburg-545870855930240/), der ADFC, LiLO, alarm Offenburg, der NABU, SoLaVie ihre Essens- und Infostände auf. Die von Anlieger*innen gerufenen Bullen waren etwas ratlos, wussten sie doch scheinbar nichts von dem beim Ordnungsamt angemeldeten und in mehreren Gesprächen geplanten und abgesegneten Fest. Ein paar Anrufe schafften Klarheit und es konnte weiter gehen: Auch wenn die Straße nicht wie versprochen für den Autoverkehr gesperrt war und immer wieder ungeduldige Autofahrer*innen zwischen den Ständen durchmanövrieren mussten, boten die hartgesottenen Feiernden dem Regen die Stirn. Bei LiLO konnte mensch sich mit leckeren, veganen Kuchen, bei SoLaVie mit Bärlauchpestobaguette und bei alarm mit veganen Soli-Burgern für den Hambi sättigen. LiLO informierte über ihre Forderungen für die Kommunalwahlen in drei Wochen. Der Infostand von alarm hatte seinen Schwerpunkt beim Thema Veganismus und Tierbefreiung im Zusammenhang mit der drohenden Klimakatastrophe. Der ADFC sprach mit den Leuten über Radverkehrspolitik und SoLaVie warb für die solidarische Landwirtschaft und ihre ökologischen und gesellschaftlichen Vorteile.
Die Klimarallye von alarm fiel buchstäblich ins Wasser: Nur wenige Menschen wollten durch den Regen stapfen und die versteckten Hinweise suchen, da konnte auch die sehr wechselhafte Musik nicht mehr motivieren.
Als dann alle bis auf die Haut durchnässt waren, das Infomaterial aufgequollen, der Bratlingsteig verdünnt und die 25 Teilnehmer*innen der Fahrraddemo angeschwemmt worden waren, wurde beschlossen, das Fest vorzeitig abzubrechen.

Aber es kann ja nicht immer regnen: Das nächste Straßenfest kommt bestimmt! Reclaim the streets! System change, not climate change!

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5. Anarchistische Buchmesse in Mannheim

Die Anarchistische Buchmesse Mannheim findet alle zwei Jahre statt und hat nicht nur inzwischen Kultstatus in der anarchistischen Szene, sondern nimmt eine wichtige Funktion ein: Wir kommen (fast) alle zusammen, tauschen uns aus, lernen uns kennen und kommen Schritt für Schritt der Anarchie ein bisschen näher! Und das Programm ist auch jedes Mal extrem vielfältig und umfangreich. Lest hier den Aufruf der organisierenden Anarchistischen Gruppe Mannheim:

„Wer auf andere Leute wirken will, der muss erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen reden.“                                                                                           (Kurt Tucholsky)

Bald geht’s los! Vom 10. bis 12. Mai 2019 findet die V. Anarchistische Buchmesse Mannheim im Jugendkulturzentrum forum statt. Der positive Zuspruch des Publikums, der Verlage, der Ausstellenden und Referent*innen haben uns darin bestätigt, die zweijährig stattfindende Messe erneut durchzuführen.

Wir freuen uns, dass wieder zahlreiche libertäre Verlage auf der Buchmesse vertreten sein werden. Auch wird der eine oder andere Verlag erstmals dabei sein. Wie in den Vorjahren werden auch diesmal wieder 24 Lesungen und Vorträge angeboten. Leider nur – denn zu unserer großen Überraschung sind wir noch wesentlich mehr als sonst mit Vortragsangeboten überhäuft worden. Daher konnten wir einige spannende Vorträge nicht berücksichtigen.

Mit der Buchmesse wollen wir dazu beitragen, die Vielfalt des Anarchismus darzustellen. In den Referaten werden aus unterschiedlichen antiautoritären, libertären und anarchistischen Richtungen Positionen bezogen und zur Diskussion gestellt. Darüber hinaus berichten Aktivist*innen von ihren aktuellen Kämpfen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.

Am Freitagabend beginnt die Buchmesse mit einem politischen Film: subversiv, anarchistisch, erzählt mit Augenzwinkern. Für den Samstagabend haben wir uns diesmal etwas Neues ausgedacht: Wir kooperieren mit befreundeten selbstverwalteten Strukturen im Viertel, die das kulturelle Rahmenprogramm für Euch gestalten.

Wie immer ist die Messe barrierefrei zu erreichen. Außerdem werden fairer Kaffee und leckere vegane Gerichte angeboten. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es wie üblich auf der Schlafplatzbörse. Der Eintritt für die Buchmesse ist natürlich frei.

Da die Messe sich in erster Linie über Spenden finanziert, lassen wir in jeder Veranstaltung eine Spendendose rumgehen – das heißt aber nicht, dass für jede besuchte Veranstaltung eine Spende erwartet wird. Daneben finanziert sich auch das Küchenkollektiv Le Sabot über Spenden.

Wir freuen uns Euch auf der Buchmesse zu sehen!

Freiheit und Glück!

Anarchistische Gruppe Mannheim

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Gǎi Dào Sonderausgabe: Gustav Landauer – zum 100. Todestag

Gestern ist die 9. Sonderausgabe der Gai Dao zum 100. Todestag von Gustav Landauer erscheinen.

Sie wurde in Zusammenarbeit mit und auf Anregung der Gustav Landauer Denkmalinitiative Berlin erstellt.

Im Editorial heißt es

Vor ein paar Tagen, am 2. April und wohlweislich nicht am ersten, hat das Generallandesarchiv Karlsruhe einen neuen Aktenfund mit schaurigen Details zur Ermordung Gustav Landauers präsentiert. Das vermutlich letzte Foto, das Landauer lebend zeigt, ist gegenwärtig in einer Ausstellung in Berlin erstmals öffentlich zu sehen. Landauer scheint eben in Stadelheim angekommen und dem Pritschenwagen entstiegen zu sein, mit dem man ihn transportiert hatte. Der schmale Mann steht da, dicht umdrängt von sprungbereiten Soldaten. Trotz etwa 100 Vernehmungen wurde für diesen Mord niemand je belangt. In Stadelheim waren berüchtigte Freikorps (Epp und Lützow) statio- niert, deren Mitglieder im Dritten Reich regelmäßig als hohe Kader der SS reüssieren konnten. Aber auch ganz gewöhnliche Truppenteile waren dabei. Hitler selbst, eben noch Obergefreiter bei der Bahnhofskommandantur, ereiferte sich nach dem Einmarsch der „Befreier Münchens“ als Belastungszeuge gegen die Kameraden. Die Niederschlagung der rätedemokratischen Revolution, dieses wochen- und monatelange Gemetzel, war die Geburtsstunde des deutschen Faschismus, München später nicht von ohngefähr die „Hauptstadt der Bewegung“. Die Dummheit ist eine Macht; sie ist es geblieben.

Bereits 1910 hatte Landauer erklärt, ohne Hoffnung zu handeln, nicht verzweifelt, sondern aus innerer Notwendigkeit das Vernünftige zu tun. In einer Zeit, die, wie die unsere, keinen Anlass zur Hoffnung gibt, spricht solche – man muss schon sagen – Weisheit Greta Thunberg wie selbstverständlich aus. Hört auf diese junge Frau! Sie führt, wie wenige je führten.

Wir haben etwas andere Beiträge als die in Nr. 99 der Gai Dào angekündigten im Heft. Hanna Delf von Wolzogen musste ihren Text zurückstellen, hat dafür aber – kein besserer Grund! – die kritische Briefedition abschließen können. Libera Pisano hat rasch einen neuen Text geschrieben und Eva von Redecker einen unveröffentlichten Beitrag für uns aus der Schublade gezogen. Alle Texte haben ihre je eigenen Zugänge zum Thema, stehen für sich da und kommunizieren doch miteinander. Auch wird dieser Sondernummer wohl sicher eine kleine Schwemme an Beiträgen rund um Gustav Landauer in regulären Heften folgen.

Danke an die wundervollen Teams der Gai Dào und der Druckerei für die großartige Zusammenarbeit!

Für die Gustav Landauer Denkmalinitiative jr

 

Hier könnt ihr die Sonderausgabe in verscheidenen Formaten lesen oder herunterladen.

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Klimawandel stoppen – Kapitalismus überwinden! 500 Menschen auf Demo in Offenburg

Über 500 Menschen – jung und alt – haben am gestrigen Samstag in der Offenburger Innenstadt gegen den Klimawandel und seine Ursachen demonstriert. In Redebeiträgen wurde klar gemacht, dass ein grüner Kapitalismus uns nicht weiterhelfen wird und dass wir im Gegenzug dazu eine ganz andere Gesellschaft brauchen.

Schüler*innen auf der ganzen Welt zeigen uns zur Zeit, wo’s lang geht: Mit den Fridays For Future rücken Kinder und Jugendliche das Thema Klimawandel in den Fokus der Gesellschaft. Und genau da gehört er hin, denn er ist der Schauplatz, auf dem sich die Zukunft der Menschheit entscheiden wird. Das haben zwar schon viele andere vor den Schüler*innen von Fridays For Future erkannt, aber keine*r hat es bisher geschafft, so viel Aufmerksamkeit zu generieren. Die Gründe dafür sind die Tatsache, dass es eben Kinder und Jugendliche sind, dass sie sich autonom und weltweit und dezentral organisieren, dass sie bewusst Regeln, wie in Deutschland die Schulpflicht, brechen und auf die Konsequenzen scheißen, dass sie zu hunderttausenden auf die Straßen der Welt gehen und den Erwachsenen einen Spiegel vorhalten und dass sie das alles verdammt selbstbewusst, systemkritisch und oft auch mit beißendem Humor tun. Auf viele Erwachsene wirkt das alles zutiefst verstörend und sie reagieren mit Hohn und Spott. Sie tun das, was sie schon ihr ganzen Leben lang tun: Sie nehmen junge Menschen nicht ernst. Viele Politiker*innen, Journalist*innen und Wirtschaftsbosse haben sich in den letzten Wochen in diesem Zusammenhang mit unterirdischen Kommentaren lächerlich gemacht. Aber die Fridays For Future bekommen auch viel Zuspruch: Sei es von den Scientists For Future, den Parents For Future, halbwegs bei Sinnen seienden Politiker*innen, der radikalen Linken oder den Revolutionär*innen in Rojava.
In Offenburg nahmen am Vortag über 700 Schüler*innen an der Fridays For Future-Kundgebung teil, in der gesamten Ortenau waren es wohl insgesamt über 1500.

So war die gestrige Demo gegen den Klimawandel auch getragen vom Schwung der Fridays For Future: Junge Menschen und ihre Plakate und Schilder dominierten das Bild, viele von ihnen waren schon am Freitag in der Ortenau unterwegs. Die lokale Fridays For Future-Gruppe war Teil des aufrufenden Bündnisses und hielt die Auftaktrede.
Über 500 Menschen zogen im Anschluss durch die Offenburger Innenstadt, skandierten Parolen wie „A-A-Anticapitalista!“, „System change, not climate change!“ oder „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik: Das ist unsre Antwort auf ihre Politik!“.
Auf der Zwischenkundgebung auf dem Rathausplatz hielten u.a. ein Vertreter der Linken Liste Ortenau und zwei Vertreter*innen der Anarchistischen Initiative Ortenau jeweils eine Rede. In beiden wurde deutlich gemacht, dass die Ursache des menschengemachten Klimawandels der Kapitalismus ist und dass es eben nicht reicht diesen grün anzustreichen. Die Anarchistische Initiative wies auf die auffällige Deckungsgleicheit zwischen Rechten und Klimawandelleugner*innen hin und machte klar, dass wir beide bekämpfen müssen.
Dann ging es weiter lautstark durch die Fußgänger*innenzone zur Abschlusskundgebung auf dem Lindenplatz. Hier sprach u.a. ein Vetreter der BI gegen Tiefen-Geothermie in der Region über die Gefahren derselben und ein Schüler machte fünf Vorschläge, wie wir alle im Alltag unser Konsumverhalten hinterfragen und ändern können.
Nach der Demo ging es noch ins Linke Zentrum R12 zu veganem Nudelsalat und weiterem Austausch.

Es ist beeindruckend zu sehen, wie selbstbewusst und mutig sich junge Menschen politisieren und sich öffentlich zu Wort melden, sich in Gruppen organisieren und ihr Ding machen, ohne um Erlaubnis zu bitten. Sie haben den Ernst der Lage begriffen und handeln. Nun müssen nur noch genügend andere Menschen die Ärsche hochkriegen…

Gehen wir also gemeinsam auf die Straßen der Welt, organisieren wir uns und kämpfen gegen den Klimawandel und den Kapitalismus und stoppen die Feind*innen der Freiheit! Fangen wir damit jetzt und hier an!
Klimawandel stoppen – Kapitalismus abschaffen!
(Aus der Rede der Anarchistischen Initiative Ortenau)

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Klimawandel stoppen – Kapitalismus abschaffen! Kommt alle zur Kimademo am 16.03.2019 in Offenburg!

[Lest hier den Aufruf der Anarchistischen Initiative Ortenau zur Klimademo. Den Bündnisaufruf könnt ihr hier lesen.]

Global denken…

Der menschengemachte Klimawandel ist weltweit zu beobachten. Wir brauchen keine abstrakten wissenschaftlichen Zukunftsprognosen und Statistiken mehr, denn überall werden die Menschen Zeug*innen und Opfer der Folgen des sich verändernden Weltklimas. Die Polkappen und Alpengletscher schmelzen. Weltweit sterben Insektenarten aus. Hitze- und Kältewellen werden zur Normalität. Ganze Inselgruppen versinken im Ozean. Waldbrände als Folge von Dürren, Wirbelstürme und andere extreme Wetterereignisse werden mehr und mehr zur Normalität.
Die Hauptursachen sind die Produktion und der Konsum von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und Eier und das hemmungslose Verbrennen von fossilen Energieträgern wie Kohle und Erdöl: Das hier freigesetzte Kohlendioxid und Methan gelangen ungehindert in die Atmosphäre und befeuern den Treibhauseffekt, der zur Erwärmung der Atmosphäre führt. Dazu gehören auch der weltweit zunehmende Individualverkehr, der Flugverkehr, der Verpackungswahn, jährlich wechselnde Modetrends, Jedes-Jahr-ein-neues-Smartphone, Austausch von noch funktionstüchtigen Geräten gegen vermeintlich energiefreundliche. Kurzum: Unsere grenzenlose Mobilität und unser irrsinniges Konsumverhalten. All das sind Folgen des weltweit agierenden, scheinbar alternativlosen Kapitalismus und seinem Drang nach Wachstum: Er erzieht uns alle zu Konsument*innen seiner Waren und befeuert den Klimawandel. Der Klimawandel ist wie der Kapitalismus ein globales Phänomen: Wir alle sind von beiden betroffen.

…lokal handeln!

Was können wir hier im beschaulichen Offenburg gegen den Klimawandel tun? Können wir überhaupt etwas dagegen tun? Der Klimawandel ist genauso menschengemacht wie das ihm zugrundeliegende Wirtschaftssystem, der Kapitalismus. Nun sind aber beides weltweite Phänomene und wir sind nur klein und unbedeutend und überhaupt…Alles faule Ausreden: Jede*r von uns kann aktiv werden und sich und seine Kraft, seine Ideen, seine Wut und seine Kreativität in die Waagschale werfen. Wir müssen uns in Gruppen und Netzwerken zusammenschließen und organisieren: Setzt euch für den Ausbau regenerativer Energien und ÖPNV ein, geht auf die Straßen gegen Tierfabriken und Kohleverstromung, baut euer eigenes ökologisches, regionales Gemüse mit anderen Menschen zusammen an, lebt nicht vereinzelt in eurer Singlewohnung, sondern gründet Wohngemeinschaften und Kommunen, nutzt technische, stromverbrauchende Geräte gemeinsam, wechselt euren Stromanbieter, fahrt mit dem Zug oder dem Fahrrad in Urlaub und lasst das Flugzeug stehen. Organisiert euch!

Klimawandelleugner*innen und Rechtspopulist*innen: Alles die gleiche Bagage!

Selbst heute gibt es noch Menschen, die den menschengemachten Klimawandel leugnen, ihn bagatellisieren oder ihn als eine Verschwörung von wem auch immer hinstellen. Leider sind diese Menschen nicht nur völlig unbedeutende Internet-Trolle, sondern auch oft welche mit sehr viel Macht und Einfluss. So sind z.B. mit dem Rassisten Trump in den USA und dem Faschisten Bolsonaro in Brasilien zwei weiße alte Männer an den Hebeln der Macht, die durch ihre hemmungslose Wachstumspolitik aktiv und wissentlich gegen alle Bestrebungen, den Klimawandel zu stoppen, vorgehen. Ausbau der Gewinnung von fossilen Brennstoffen und die Abholzung des Regenwaldes stehen ganz oben auf ihrer Agenda. Menschenrechte und Umweltschutz kommen in ihren Weltbildern nicht vor. Hier bei uns stößt die rechtspopulistische und marktradikale AfD ins gleiche Horn und sie sitzt schon in allen Landtagen und im Bundestag.
Wer also gegen den Klimawandel aktiv wird, wer sich für eine andere Wirtschaftsweise jenseits von ökologischem Raubbau und grenzenlosem Wachstum einsetzt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er auch gegen die Feind*innen der Freiheit kämpfen muss: Es gibt kein gutes Leben, es gibt keine solidarische Gesellschaft, es gibt kein Schlaraffenland mit der AfD, mit Trump, mit Bolsonaro und ihren Fans.

Auf die Straßen der Welt!

Wir solidarisieren uns mit allen Menschen, die für eine klimagerechte Zukunft kämpfen, die sich für eine Wirtschaftsordnung einsetzen, die bedarfsorientiert funktioniert, ohne die Ökosysteme des Planeten und damit die Menschheit zu vernichten.
Vor allem stellen wir uns aktuell an die Seite all der Schüler*innen, die mit den Fridays for Future während ihrer Schulzeit auf die Straßen der Welt gehen, um für ihre Zukunft zu demonstrieren, die klar machen: So darf es nicht weiter gehen! Zu all ihren Kritiker*innen, die z.B. das „Schuleschwänzen“ vorschieben, sagen wir: Schämt euch! Macht euch nicht lächerlich und reiht euch in die Demos ein!

Kommt alle am Samstag, den 16.03.2019 um 14 Uhr zur Klimademo am Busbahnhof in Offenburg!
Klimawandel stoppen – Kapitalismus abschaffen!

Anarchistische Initiative Ortenau im März, 2019

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Freiheit für Jan – Solidaritätserklärung der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen

Über anderthalb Jahre ist es nun her, dass die Bilder einer Abschiebeblockade an einer Nürnberger Berufsschule bundesweit Schlagzeilen machten. Am 31. Mai 2017 sollte in Nürnberg der Berufsschüler Asif nach Afghanistan abgeschoben werden. Zu diesem Zweck wollte die Polizei ihn vor den Augen seiner Mitschüler*innen direkt aus dem Klassenraum heraus abführen. Die Schüler*innen wollten das jedoch nicht hinnehmen und reagierten mit hunderten anderen Menschen auf den Abschiebeversuch mit lautstarkem Protest und einer Blockade des Polizeiwagens, in dem Asif weggebracht werden sollte. Bei dem gewaltvollen Vorgehen der Polizei gegen die insgesamt rund 300 Abschiebegegner*innen kam es zu mehreren Verletzten und Festnahmen. Die Polizeigewalt schockierte die Öffentlichkeit umso mehr, da sie diesmal nicht an den Rändern der Gesellschaft stattfand und leicht zu ignorieren gewesen wäre, sondern sich auch gegen Menschen richtete, für die Polizeigewalt noch keine zwangsläufige Alltäglichkeit ist.

Seitdem wird der Kampf um die Deutungshoheit jenes Tages vom bayerischen Staat aus mit Verleumdungen und Kriminalisierung geführt. Seitdem ist aber auch im Laufe der Zeit das öffentliche Interesse über diese Vorfälle verebbt, andere Nachrichten/Schlagzeilen bestimmen die Medien. Doch für die Betroffenen Menschen an diesem Tag ist noch lange nichts vorbei.

Asif hat im Dezember 2018 seinen Prozess gehabt, bei dem er zu hundert Arbeitsstunden verurteilt wurde. Ihm wurde im Endeffekt vorgeworfen, sich gegen die Abschiebung in ein Bürgerkriegsland gewehrt zu haben. Im November wurde zudem sein wiederaufgenommenes Asylverfahren zum nun zweiten Mal wieder negativ beschieden. Dagegen wurde Widerspruch eingelegt, wozu ein Entscheid noch aussteht.
Auch viele der Menschen, die sich an jenem Tag solidarisch mit Asif zeigten, können diesen Tag nicht so einfach vergessen. Für mindestens 20 der Abschiebegegner*innen geht die staatliche Repression weiter.

Die Gewalt, mit der der antirassistische Protest an diesem Tag niedergeknüppelt worden war, war wohl noch nicht exzessiv genug; der öffentliche Fahndungsaufruf, der eine Angeklagte traf, oder die mehrmonatige Untersuchungshaft einer weiteren Person und all die anderen Verleumdungen und Einschüchterungsversuche, mit denen so viele Teilnehmer*innen des Protestes bereits exemplarisch abgestraft wurden, noch nicht ausreichend. Den Ermittlungsverfahren folgten Urteile von mehrmonatigen Haftstrafen.

Die Justiz nutzt – ebenso wie die Politik zuvor – die in Bayern verschärften Paragraphen 114 StGB („tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“) und § 113 (“Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte”), um den Fokus auf die Kriminalisierung antirassistischen Protestes zu legen, anstatt sich mit den Gründen und Hintergründen für das Handeln der Demonstrant*innen auseinanderzusetzen. Die Frage, warum ein solcher Protest angesichts der rassistischen Abschiebepraxis notwendig ist, sollte gar nicht erst aufkommen. Darin offenbart sich einmal mehr der kaum verhohlene Versuch, effektiven Widerstand gegen die Unmenschlichkeit der herrschenden Verhältnisse zu unterbinden. Dass der 31. Mai ein Beispiel dafür ist, wie wirksam das solidarische Handeln in Form direkter Aktionen sein kann, ist für den Staat wohl nur ein Grund mehr, mit besonderer Härte gegen die Beschuldigten vorzugehen.

Zu der verhinderten Abschiebung am 31. Mai 2017 gab es bisher schon vier Gerichtsverfahren. In jedem davon wurden die Angeklagten vom Gericht beispielsweise für Widerstand, gefährliche Körperverletzung, tätlichen Angriff und ähnlichen scharf klingenden Vorwürfen für “schuldig” befunden und erhielten hohe Strafen wie Geldzahlungen, Arbeitsstunden und bis zu 9 Monate Knast (auf 3 Jahre Bewährung). Gegen bisher vier Angeklagte fanden bzw. finden Berufungsverfahren statt. Jan ist einer von ihnen.

Am 2. August 2018 fand der erste Prozess gegen Jan vor dem Amtsgericht Nürnberg statt. Für “Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte” im Rahmen der Abschiebeblockade wurde er zu 2.700 Euro Geldstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 6 Monate Haft ohne Bewährung gefordert und ist offensichtlich entschlossen, die Freiheitsstrafe trotz der mauen Beweislage doch noch durchzusetzen: Eine Woche später ging sie in Berufung gegen das Urteil. Es ist also wieder alles offen.

Der Termin für die Neuverhandlung des Prozesses gegen Jan steht nun fest: Am Mittwoch, den 6. Februar 2019 um 9:00 Uhr soll erneut darüber befunden werden, ob Jan „schuldig“ oder „unschuldig” ist und ob er auf eine “illegale” Art und Weise gegen Abschiebung protestiert hat. Wir stellen Jans Verfahren in eine Reihe von Repressionsfällen gegen Menschen, die sich rassistischem Handeln entgegenstellen. Ein weiteres Beispiel in diesem Kontext ist die Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeer. Hier wird aus humanitärer Hilfe, die selbstverständlich sein sollte, “Beihilfe zur illegalen Einreise”, was in Italien mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden kann.
Wir sehen die Verfolgung und Bestrafung von solidarischem Handeln als ein Bestandteil tief verwurzelter menschenfeindlicher Herrschaftsstrukturen. Hilfestrukturen sollen nicht geschaffen werden, diskriminierende gesellschaftliche Strukturen sollen nicht hinterfragt und bekämpft werden. Denn dass die Gesellschaften in Deutschland, Europa und weltweit nach wie vor ausgrenzen und Machtverhältnisse ihr Bild prägen, lässt sich nicht schönreden. Rassistische Gewalt und Mord in Strafanstalten, mangelhafte Hilfestrukuren, fehlender Schutz, Lagerpflicht, Abschiebung, unterlassene Hilfe bei der Überwindung von Grenzen und der Ausbau der Festung Europa sind nur wenige weitere sichtbare Beispiele rassistischer Praxis.

Jans Prozess ist nur einer von vielen. Aber das alles ändert nichts daran, dass wir verdammt wütend sind darüber, dass unser Freund wieder vor Gericht gezerrt, wieder bestraft, wieder mit Knast bedroht wird. Und weil sich diese Szenerie in ähnlicher Weise überall, egal wo und egal wann, laufend wiederholt und dabei so ungezählt viele Menschen und Freund*innen dieselbe Demütigung und Qual erfahren, fordern wir euch auf, eure Wut darüber ebenfalls laut und klar zu artikulieren!
Solidarität ist kein Verbrechen! Unterstützt die Betroffenen! Sei es finanziell oder in Form von eigenen Aktionen, Prozessbegleitungen, Solidaritätsbekundungen oder vielfältigen anderen öffentlichkeitswirksamen Handlungen. Und lasst auch weiterhin nichts unversucht, um dem Rassismus in Staat und Gesellschaft auf allen Wegen entgegenzutreten!
Solidarität ist eine Waffe!

Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA)

Mehr Infos auf der Kampagnen-Webseite: ausbruchaufbruch.noblogs.org

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Bücher lesen: This Is Not An Atlas – A Gobal Collection Of Counter-Cartographies

[Diese Buchbesprechung von mir ist auch in der aktuellen Ausgabe der Gai Dao abgedruckt.]

Unter dem Motto „The Three Cs: Critical, Counter and Cartography“ (deutsch: Die drei Cs: kritisch, gegen und Kartografie) ist im September 2018 das mächtige Buch „This Is Not an Atlas“ im Transcript Verlag erschienen. Auf 346 Seiten zeigen uns das kollektiv orangotango+ als Herausgeberin und 41 Autor*innen bzw. Gruppen aus der ganzen Welt was Gegen-Kartografie ist und wie sie zu politischem Handeln von Unten beitragen kann.

Das Buch ist komplett auf Englisch geschrieben. Das ist sicher seinem transnationalen Charakter geschuldet, macht es aber erheblich anstrengender, die Texte zu verstehen, auch wenn mensch wie ich einigermaßen Englisch kann. Das Gute ist aber, dass das Buch nicht nur durch seine Texte zu uns spricht, sondern in erheblichem Maß auch durch seine Grafiken und Fotos. Und die sind so verschieden, bunt und aussagekräftig wie die Artikel der Autor*innen und Gruppen, die buchstäblich aus der ganzen Welt kommen.

Kartografie kennen wir alle aus der Schule: Ihr Endprodukt ist z.B. der kiloschwere Schulatlas, den ich jahrelang zum Erdkundeunterricht mitschleppen musste, oder die riesigen aufgerollten Karten, die umständlich am dazugehörigen Ständer befestigt werden mussten. Heutzutage haben viele täglichen Umgang mit Routenplanern und Onlinekarten.
Karten, Atlanten und Globen scheinen einen neutralen, realistischen Blick auf die Geografien unserer Städte und der Erde zu geben, verschweigen aber dem*der unbedarften Betrachter*in z.B. ihre verzerrenden Größendarstellungen und ihren eurozentristischen Charakter. Historisch und politisch war und ist das Kartografieren von Land immer auch ein Herrschaftsinstrument. Es werden Grenzen festgelegt, Besitz aufgezeigt und Macht gefestigt.

Der Nichtatlas will diesen Blick aufbrechen, indem er mit wunderschönen, verstörenden, wimmelnden, auf den Kopf gestellten, traurigen, Mut machenden und inspirierenden Karten, Grafiken, Fotos und den dazugehörenden Geschichten zeigt, dass auf der ganzen Welt Menschen mit ihren eigenen Mitteln ihre eigenen Karten anfertigen für ihre eigenen Zwecke: Zur Verhinderung von Räumungen, zur Visualisierung von sicheren Fluchtwegen, zur Unterstützung der Verteidigung der Commons, zum Schutz indigener Communities und der Regenwälder, zum Aufzeigen von sexueller Belästigung oder Obdachlosigkeit u.v.m.

Hier zwei Beispiele:

Im Kapitel „Counter-Cartographies as a Tool for Action“ (Gegen-Kartografie als ein Werkzeug für Aktionen) nimmt uns der Artikel „A View from Above – Balloon Mapping Bourj Al Shamali“ (Eine Sicht von oben – Bourj Al Shamali mit dem Ballon kartografieren) mit in das libanesische Flüchtlingslager Burj al-Shemali. Hier leben palästinensische Geflüchtete teilweise in der dritten Generation auf engstem Raum ohne funktionierende Infrastruktur in großer Armut. Lokale Gruppen wollten ein Projekt für städtische Landwirtschaft und Grünflächen starten und mögliche freie Plätze sowie Wasserquellen dafür finden, mussten aber bald lernen, dass es keine verlässliche Karten von Burj al-Shemali gab. Auch online verfügbare Luftaufnahmen waren nicht hochauflösend genug. Schließlich entschieden sich die Leute dafür, eigene Luftaufnahmen mittels einfachster Technik zu machen: Mit einem selbstgebauten Ballon, an dem eine Digitalkamera angebracht war. Es war nicht leicht, die Bewohner*innen von Burj al-Shemali auf ihre Seite zu ziehen: Flüchtlingslager zu kartografieren wird mit militärischer Überwachung und Kontrolle assoziiert. Aber ein knallroter Ballon, dessen Leine direkt zu seinen Pilot*innen führt, war eher unverdächtig, lud zudem zu Diskussionen über die Macht der Kartografie ein und ermöglichte durch die Einfachheit seiner Technik vielen – gerade jungen – Menschen die Teilhabe an dem Projekt. Sie konnten sich direkt in die Verbesserung ihrer Lebensumstände einbringen.

Im Kapitel „Counter-Cartographies Tie Networks“ (Gegen-Kartografien knüpfen Netzwerke) beschreibt der Text „X-Ray of Soy Agribusiness in the Pampa and Mega-Mining in the Andes“ (Durchleuchten der Soja-Agrarindustrie in der Pampa und der Mega-Bergbauindustrie in den Anden) des Aktivist*innen-Duos Julia und Pablo ihre Arbeit in Workshops mit Menschen in Argentinien. So erstellten sie gemeinsam z.B. eine Karte – Otra Pampa es posibile!!! (Eine andere Pampa ist möglich!!!) – , die aufzeigt, was die umweltzerstörende, monopolistische Agrarindustrie in der Pampa anrichtet. Eine andere Karte entstand in Zusammenarbeit mit den Menschen in den Distrikten nahe der Anden und zeigt, wie die Übertage-Riesenminen von chinesischen und kanadischen Konzernen die Ökosysteme zerstören und die Gesundheit der dort lebenden Menschen angreifen. Die Autor*innen schreiben „Maps have to be part of a bigger process, one of many strategies, a means to foster thinking, to socialize knowledge and practices, to boost collective participation, to work with strangers, to swap experiences, to challenge hegemonic spaces, to promote creation and imagination, to probe specific issues, to visualize resistances and to point out power relationships…“ („Karten müssen Teil eines größeren Prozesses sein, einer von vielen Strategien, ein Mittel um das Nachdenken zu fördern, um Wissen und Praktiken zu teilen, um kollektive Teilhabe zu fördern, um mit Fremden zu arbeiten, um Erfahrungen auszutauschen, um hegemoniale Räume herauszufordern, um Bildung und Vorstellungskraft zu fördern, um spezielle Themen zu erforschen, um Widerstand zu visualisieren und um Verflechtungen von Macht aufzuzeigen…“).

Wer sich nun selbst als Kartograf*in auf den Weg machen will, bekommt im Kapitel „How to Become an Occasional Cartographer“ (Wie ich ein*e gelegentliche*r Kartograf*in werde) diverse Anleitungen.

Das Buch ist ein gelungenes Sammelsurium von widerständigen Praxen direkter Aktion aus der ganzen Welt, es inspiriert, macht Mut und lässt (zumindest mich) Karten in Zukunft ganz anders betrachten.

Und zum guten Schluss: Ihr könnt dieses echt coole Buch als PDF in hoher Qualität herunterladen (s. Infokasten): Der Verlag und das Herausgeber*innenkollektiv haben es unter dem Label Open Access und der Lizenz Creative Commons Attribution 4.0 (BY) veröffentlicht.
Als Papierbuch kostet es 34,99 €.

Infos, Download und Verlag
notanatlas.org
transcript-verlag.de/978-3-8376-4519-4/this-is-not-an-atlas/
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Multimediavortrag mit Bernd Langer „Die Flamme der Revolution: Deutschland 1918/19“

[alarm Offenburg hat mal wieder den rührigen Antifaschisten, Künstler und Autor Bernd Langer ins R12 eingeladen. Dazu gibt es lecker vegane Vokü! Das wird ein runder Abend.]

[die obige Grafik ist dem Comic Der Matrosenaufstand 1918 in Kiel von Bernd Langer entnommen.]

Die Flamme der Revolution: Deutschland 1918/19

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 radikalisieren sich die sozialen Verhältnisse. Weil die SPD den Kriegskurs des Kaiserreiches mitträgt, spaltet sich die Partei und es entsteht die Unabhängige Sozialdemokratie. Auftrieb erhält die Antikriegsstimmung durch die Revolution in Russland 1917. Doch erst mit der militärischen Niederlage bricht das Kaiserreich 1918 zusammen, und ein Matrosenaufstand in Kiel wird zum Auslöser der Novemberrevolution.

Der zunächst friedliche Verlauf ist bald von blutigen Konfrontationen überschattet. Während die radikalen Kräfte die Sozialisierung der Industrie und die Räte-Republik wollen, verteidigen die SPD und andere bürgerliche Parteien die kapitalistischen Besitzverhältnisse mit Hilfe der Freikorps. Im Jahr 1919 entwickelt sich im Deutschen Reich ein Bürgerkrieg, der nicht als solcher in den Geschichtsbüchern verzeichnet ist.

Jene Tage führen zu einer grundlegenden politischen Weichstellung. Denn die weltweite Spaltung in Kommunistische Parteien mit revolutionärem Anspruch einerseits und eine reformistische Sozialdemokratie andererseits sowie die verhängnisvolle Entwicklung am Vorabend des Faschismus sind ohne diese Ereignisse nicht zu begreifen.

Der Autor und Antifaschist Bernd Langer stellt in einem Multimedia-vortrag sein neues Buch „Die Flamme der Revolution: Deutschland 1918/19“ vor.

Vegane VoKü ab 18 Uhr 30 – Beginn des Vortrags 19 Uhr 30

Dienstag, 12.02.2019 im Linken Zentrum R12

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