Thessaloniki: Libertatia wiederaufbauen!

[Hier ein Text und Spendenaufruf von Ralf Dreis. Das Original findet ihr hier.]

Das 2018 von Nazihooligans niedergebrannte anarchistische Zentrum Libertatia in Thessaloníki wird wiederaufgebaut. Es soll ein lebendiges Bollwerk des antifaschistischen Kampfes werden. An der Geschichte des Hauses wird deutlich, dass Thessaloníki nicht immer so griechisch und christlich-orthodox war, wie Nationalisten behaupten.

Seit dem Beginn der Hausbesetzung 2008 sind Aktivist*innen der Libertatia an den gesellschaftlichen Kämpfen in Thessaloníki beteiligt. Genannt seien hier nur die Solidaritätsaktionen mit Geflüchteten, der Kampf gegen die Sonntagsarbeit an der Seite von Basisgewerkschaften, oder die Verteidigung der von Räumung bedrohten selbstverwalteten Seifenfabrik Vio.Me, die seit 2012 von Arbeiter*innen besetzt ist.

Heute ist das ausgebrannte neoklassizistische Gebäude von einem hohen Metallzaun umgeben. Die leeren Fensterhöhlen laden nicht unbedingt zum Verweilen ein.

Während der nationalistischen Mobilisierung im Zuge des Namensstreits mit dem griechischen Nachbarstaat Nordmazedonien, hatte ein Mob von 150 Nazis und rechten Fußballhooligans, am 21. Januar 2018, das Libertatia angegriffen. Mehrere Nationalisten traten die Tür ein und legten Feuer im Inneren des Hauses, das bis auf die Grundmauern abbrannte.

Es gab keine Festnahmen, im Gegenteil. Die anwesenden Polizeitruppen geleiteten den Mob in der Folge zurück zur „Mazedonien ist griechisch“ Kundgebung. Auf der hatten sich 90.000 Nationalist*innen, rechtsextreme Organisationen, die inzwischen als kriminelle Vereinigung verurteilte Nazipartei Chrysí Avgí und große Teile des orthodoxen Klerus versammelt. Es ging einmal mehr um den seit 1990 schwelenden Streit beider Länder um das Anrecht auf den Namen Mazedonien. Wegen des Streits blockierte Griechenland die Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen und den Nato-Beitritt des Nachbarlands. Im Juni 2018 einigten sich die Regierungen schließlich darauf, dass Letzteres künftig Nordmazedonien heißen solle.

Bereits zu Beginn der Kundgebung im Januar 2018 hatten rund 100 Nazis zunächst das besetzte soziale Zentrum „Schule zum Erlernen der Freiheit“ angegriffen, danach das Libertatia. Beide Angriffe konnten abgewehrt werden. Als die Rechtsextremen später bei einem zweiten Angriff das anarchistische Zentrum anzündeten, waren die Besetzerinnen und Besetzer auf einer antifaschistischen Gegenkundgebung, das Haus ungeschützt. Am Abend darauf nahmen über 2 500 Menschen an einer Solidaritätsdemonstration für das Libertatia teil. Starke Polizeikräfte griffen die Demonstrierenden mit Tränengas und Blendschockgranaten an.

Ein neues Dach für Libertatia

Die Fortschritte beim Wiederaufbau der Ruine sind beeindruckend. Das neue Dach ist fast fertig. Zwischendecken werden eingezogen und im kleineren Hinterhaus sind einzelne Räume schon verputzt und gestrichen. Am schlimmsten sei es gewesen, betont eine Aktivistin, die Tonnen von Bauschutt und verbrannten Balken zu entsorgen. Wochenlang habe man Dreck geschippt. Danach sei es besser geworden, doch es gehe nur langsam voran. Dies liege einerseits am Geldmangel, dann sei noch der Corona-Lockdown hinzu gekommen, und nicht zu vergessen die andauernde Repression durch die Polizei. Wiederholt seien während der Bauarbeiten starke Polizeieinheiten angerückt, zwei Mal wurden während der Arbeit Leute festgenommen, Baumaterial sowie Werkzeuge beschlagnahmt, zuletzt am 23. August 2020. Um das Dach fertig stellen zu können mussten die Besetzer*innen zu einer Kundgebung am Haus mobilisieren. Während dann 250 Leute fünf Stunden lang um das Haus ausharrten, waren andere auf dem Dach um die Bretter zu vernageln. Das zeigte zwar an diesem Tag die momentanen Grenzen staatlicher Macht, doch kosten solche Aktionen viel Kraft.

Seit Regierungsantritt der rechten Néa Dimokratía im Sommer 2019 hat sich die Repression gegen den inneren Feind extrem verschärft. „Bürgerschutzminister“ Michális Chrysochoídis, ein ehemaliger Sozialdemokrat und Law-and-Order-Hardliner, hat die von Faschisten durchsetzten Polizeitruppen endgültig von der Leine gelassen. Noch im Sommer 2019 ließ er die meisten Flüchtlingsbesetzungen in Athen räumen, in der Folge immer wieder anarchistische Besetzungen. Brutales polizeiliches Vorgehen bis hin zur Folter von Demonstrant*innen bleiben folgenlos. Für die Beamt*innen herrscht Straffreiheit bei ihren Einsätzen gegen Geflüchtete, Kommunist*innen und Anarchist*innen. Obwohl im August 2020 das wichtige besetzte anarchistische Zentrum Terra Incognita in Thessaloníki geräumt wurde, sind die Aktivist*innen von Libertatia optimistisch. „Es ist nicht einfach uns zu räumen, da wir viel Unterstützung erhalten. Das Verhältnis zu den meisten Leuten in der Nachbarschaft ist hervorragend. Und alle sehen was hier geschieht. Gegen die rechtsradikalen Brandstifter wird nicht einmal ermittelt obwohl Filme der Tat im Netz stehen, und gegen uns laufen 16 Strafverfahren wegen Beschädigung eines Baudenkmals und illegaler Arbeiten, weil wir das Haus wieder aufbauen. Ein Baudenkmal im Übrigen, dass vor der Besetzung 2008 über 30 Jahre lang verrottete, ohne das es die Behörden interessierte die inzwischen vom Schmuckstück in der Avenue Stratoú reden.“

Das einzige erhaltene neoklassizistische Gebäude in der Avenue Stratoú wurde 1899 erbaut. Bis zu ihrem Tod 1941 gehörte es einer jüdischen Türkin, die es von ihrem Ehemann, einem in Thessaloniki tätigen türkischen Staatsanwalt, geschenkt bekommen hatte. Das Gebäude wurde Jahrzehnte zwischen staatlichen Behörden hin und her geschoben. In den neunziger Jahren gehörte es der teilprivatisierten Universität Makedonia in Thessaloniki, seit Anfang der nuller Jahre machen vier türkische Bürger aus Izmir Rückübertragungsansprüche geltend.

An der Geschichte des Hauses wird deutlich, dass die griechische Region Makedonía und ihre Hauptstadt Thessaloníki nicht immer so griechisch und christlich-orthodox waren, wie Nationalisten behaupten. Bis vor nicht einmal 100 Jahren lebten in der Stadt über 70 000 Türkinnen und Türken, rund 60 000 sephardische Jüdinnen und Juden sowie 30 000 Griechinnen und Griechen, zudem Sinti und Roma, bulgarische, slawische und albanische Minderheiten. 1922/1923 wurde die türkische Bevölkerung im Zuge des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustauschs vertrieben. Die jüdische Bevölkerung wurde 1942/1943 in deutsche Konzentrationslager deportiert und ermordet. Viele Griechinnen und Griechen haben diesen Teil der Stadtgeschichte verdrängt.

Nach den erfolgreichen 3-tägigen Feierlichkeiten zum 12-jährigen Besetzungsjubiläum Mitte Oktober 2020 gelang es den Besetzerinnen und Besetzern Ende November ohne weitere polizeiliche Störung die schweren Teerbahnen zu verlegen. Das Dach ist damit kurz vor Beginn der Regensaison winterfest. Um den Wiederaufbau des Hauses als antifaschistisches Zentrum im kommenden Jahr ein gutes Stück voranzutreiben, startet nun im Winter eine Spendenkampagne.

Text: Ralf Dreis, Thessaloníki
Bilder: Leftéris Epanastátis, Thessaloníki
Spenden unter dem Stichwort „Libertatia“ bitte an:

FAU-Frankfurt a.M.
IBAN: DE24 5005 0201 0107 9966 96
BIC: HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

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Belarus: Gegen Kapitalismus und Diktatur, für Internationalistische Solidarität

[Hier könnt ihr den Soli-Text der CRIFA mit den Menschen in Belarus lesen.]

Belarus: Gegen Kapitalismus und Diktatur, für Internationalistische Solidarität

Unterstützt anarchistische Gefährt*innen in Belarus: www.firefund.net/belarus
Solidarität mit den Gefangenen: https://abc-belarus.org/

Das Vernetzungstreffen der Internationalen der Anarchistischen Föderationen (CRIFA) bringt seine Unterstützung und internationalistische Solidarität mit den Kämpfen der Menschen in Belarus gegen die Diktatur Alexander Lukaschenkos zum Ausdruck, einer Massenbewegung, an der unsere anarchistischen Gefährt*innen dort beteiligt sind. Die Situation in Belarus betrifft die seit 26 Jahren andauernde autokratische Diktatur, die gegenwärtige Krise der Wirtschaft, des Gesundheitswesens und der öffentlichen Dienste. Eine Welle von Protesten hat die Plätze des Landes gefüllt, um den Rücktritt des Diktators zu fordern.

Als Anarchist*innen spielt die Debatte darüber, ob die letzten Präsidentschaftswahlen fair waren oder nicht, keine spezielle Rolle. Klar ist hingegen, dass die Menschen in Belarus sagen “Genug ist genug”: Sie wollen keine Regierung mehr, die sie aushungert, schlägt und unterdrückt.

Wir stehen in Solidarität mit den belarussischen politischen Gefangenen und fordern ihre sofortige Freilassung. Wir fordern auch die Wiedereinstellung aller Arbeiter*innen, die ihren Arbeitsplatz wegen der Teilnahme an Streiks oder Protesten verloren haben, und drängen auf ein sofortiges Ende der Repressionen. Wir verurteilen die Gewalt und den Missbrauch der aktuellen politischen Maßnahmen und der militärischen oder paramilitärischen Kräfte, die ihre politischen Gegner*innen willkürlich festhalten, schlagen und foltern. Wir fordern den Sturz einer autoritären Regierung, die ein trauriger Rest des Totalitarismus der ehemaligen Sowjetunion ist, eine Macht, die immer noch als Waffe für die Militärstrategie von Putins Russland dient, das sein Nachbarland als militärisches Standbein benutzt.

Doch so wie wir gegen den russischen Militarismus in Belarus sind, so sind wir auch gegen den Militarismus der atlantischen (NATO-)Streitkräfte in den baltischen Republiken, zusammen mit allen Armeen und allen Kriegen, die von Staaten gegen die Bevölkerung geführt werden. Ebenso wenig kaufen wir die gegenwärtige Rhetorik der westlichen “Freiheit” oder einer möglichen Vermittlerinnenrolle der Europäischen Union ab. Die einzige Rolle, die der EU zukommt, besteht darin, die Interessen des europäischen Kapitalismus zu verwalten, und deshalb lehnen wir als Internationalist*innen diese Institution ab.

Stattdessen rufen wir zu internationaler Solidarität zwischen allen Arbeiter*innen und Unterdrückten und zu allen sozialen Bewegungen auf, die sich im Osten und im Westen für Syndikalismus und Arbeiter*innenrechte, für das Recht auf Wohnung, in der feministischen und LGBTQI*-Bewegung, für die Verteidigung von Land und Umwelt gegen Spekulant*innen, für die Solidarität und gegenseitige Hilfe der Menschen, für die Besetzung von Räumen, für die Schaffung alternativer Kulturen und für die Verteidigung aller Freiheiten der Zivilgesellschaft gegen Ausbeutung und Autoritarismus einsetzen – um nur einige unserer bevorzugten sozialen Interventionsthemen zu zitieren.

Nur die direkte Beteiligung der Menschen an den Kämpfen von unten kann einen Unterschied machen und eine Bewegung hervorbringen, die über die Ersetzung einer alten Regierung durch eine neue, mehr oder weniger korrupte, mehr oder weniger autoritäre Regierung hinausgeht. Neben allen anderen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, bestätigt die aktuelle Pandemie, dass Staat und Kapitalismus nicht funktionieren, wenn es um die Notwendigkeit von Solidarität geht. Es ist die gesamte Gesellschaft, die sich in Richtung Gleichheit und Freiheit verändern muss, und Anarchismus ist mehr denn je die Option, die wir zur Erreichung dieses Ziels vorschlagen.

Vernetzungstreffen der Internationalen der Anarchistischen Föderationen (IFAIAF) – 25. Oktober 2020

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Rückblick auf den Tag X

In drei Tagen beginnen die Rondenbarg-Prozesse. Um dafür Öffentlichkeit herzustellen und Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen, fand am vergangenen Samstag der Tag X statt: In ganz Deutschland gab es Bannerdrops, Demos und Kundgebungen. Auf gemeinschaftlich.noblogs.org findet ihr den Artikel Tag X: Bundesweite Zusammenfassung.

Auch in Offenburg haben Anarchist*innen ihre Solidarität gezeigt. Auf Indymedia ist zu lesen:

Offenburg: Solidarität mit den Angeklagten in Hamburg

Als Zeichen der Solidarität mit den Angeklagten in den am 3. Dezember beginnenden Rondenbarg-Prozessen in Hamburg haben wir am heutigen Tag X zwei Transparente in der Stadt aufgehängt:

„G20: Geht doch alle golfen! Freiheit für unsere Freund*innen in Hamburg! www.gemeinschaftlich.noglogs.org

„Solidarität mit allen G20-Angeklagten! rondenbarg-prozess.rote-hilfe.de

Das Schaufenster unserer Genoss*innen im Linken Zentrum R12 zeigt ein Plakat mit der Aufschrift „Solidarität mit den Angeklagten im Rondenbarg-Prozess! G20 und Kapitalismus überwinden! Mehr Infos: gemeinschaftlich.noblogs.org

Wir wollen alle Angeklagten in Hamburg in Freiheit sehen!
Protest und Widerstand gegen den Kapitalismus, seine Akteur*innen  und seine Auswirkungen sind legitim und notwendig!
Für die befreite Gesellschaft!
Für die Anarchie!

Eines der Transparente hing heute noch.

Freiheit für alle Gefangenen!
Feuer und Flamme für die G20!

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1 – 6 – 1 – 2 !

Und genau deshalb soll es in Frankreich zukünftig verboten sein, Bullen bei der „Arbeit“ zu fotografieren oder zu filmen:

loopsider.com/fr/video/la-folle-scene-de-violences-policieres

All Flics Are Bastards (bis das Gegenteil bewiesen wurde…)!

 

 

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Tag X – Gemeinschaftlicher Widerstand

[Hier könnt ihr den Aufruf zum Tag X und dem Prozessauftakt zu den Rondenbarg-Prozessen lesen. Aktuelle Infos findet ihr hier.]

Dezentraler Aktionstag gegen Repression am Samstag vor dem Prozessauftakt zu den G20-Protesten am Rondenbarg

Im Juli 2017 haben wir uns international und spektrenübergreifend zu Zehntausenden nach Hamburg aufgemacht, um lautstark und entschlossen gegen das Gipfeltreffen der zwanzig wirtschaftlich und politisch mächtigsten Staaten der Welt zu protestieren. Wie bei anderen Zusammenkünften bürgerlicher Regierungen, autoritärer Regime und kriegsführender Militärblöcke haben wir es nicht hingenommen, dass sie ungestört ihre wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen aushandeln können. Wir sind auf die Straße gegangen gegen die kapitalistischen Verhältnisse, die auf Unterdrückung und Ausbeutung beruhen und für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich sind.

Wir sind dem Treffen der G20 entschlossen entgegengetreten. Wir haben uns dabei weder von Verbotszonen noch von massiver Polizeigewalt abschrecken lassen. Wir haben und werden weiterhin gemeinsam unsere Kämpfe für eine klassenlose, antikapitalistische Gesellschaft ohne Patriarchat, Rassismus, Faschismus und Klimakrise auf die Straße tragen.

Wie sich bereits im Vorfeld ankündigte, setzt(e) der Staat wieder einmal auf Repression: dutzende Hausdurchsuchungen, Entziehung der Akkreditierung von Journalist*innen, Campverbote, Zerschlagung der Welcome-to-Hell-Demo, Verbot von Indymedia Linksunten, sechs Öffentlichkeitsfahndungen mit über 400 Personenbildern, Kriminalisierung von Protesten, die zu etlichen Strafverfahren und Verurteilungen geführt hat. Seit Dezember 2018 läuft gegen fünf Aktivist*innen das Elbchaussee-Verfahren. Loïc, einer der Betroffenen, ist im Dezember 2019 nach 17 Monaten unter Meldeauflagen aus der U-Haft entlassen wurden. Der Prozess gegen alle Angeklagten geht weiter.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat nun auch gegen 86 Aktivist*innen rund um die Proteste am Rondenbarg Anklage erhoben – mindestens acht politische Massenprozesse stehen bevor. Am Morgen des ersten Gipfeltages brachen hunderte Menschen auf, um die Zufahrtswege zum Austragungsort zu blockieren. Im Gewerbegebiet Rondenbarg attackierten Polizeieinheiten ohne Vorwarnung einen Demonstrationszug. Bei diesem Angriff wurden 14 Demonstrierende schwer verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Bei einigen kam es zu bleibenden Verletzungen, deren Behandlung noch andauert. 59 weitere Aktivist*innen wurden festgenommen. Fabio saß fast fünf Monate in Untersuchungshaft. Gegen 19 soll das Verfahren aufgrund des damaligen Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Ihnen wird gemeinschaftlicher schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamt*innen, Sachbeschädigung und Bildung bewaffneter Gruppen vorgeworfen. Wie auch beim Elbchaussee-Prozess geht es um keine individuellen Handlungen der Aktivist*innen. Gegenstand der Anklageschrift ist die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Handlung. Hierbei wird sich auf einen gemeinsamen Tatplan in Verbindung mit den Blockaden verschiedener „Finger“ am Freitagmorgen berufen. Eine Verurteilung würde einen massiven Angriff auf das Versammlungsrecht bedeuten.

Unmittelbar vor dem G20-Gipfel wurden Strafgesetze verschärft, wozu unter anderen die Paragraphen 113 „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ und 114 „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ gehörten. Eineinhalb Jahre später folgte die Forderung eines Verbots der Roten Hilfe. Angriffe auf selbstverwaltete Zentren, die Ausweitung polizeilicher Befugnisse und die Repression anlässlich des G7 in Biarritz vergangenen Sommer reihen sich hierin ein. Die Gemeinnützigkeit globalisierungskritischer und antifaschistischer Gruppen, wie Attac und der VVN-BdA, wird aberkannt. Von massiver Repression ist auch die kurdische Bewegung betroffen. Zahlreiche kurdische Genoss*innen werden aufgrund des Paragraphen 129b „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland“ kriminalisiert und inhaftiert. Auch Verbote von Fahnen und Symbolen, wie der YPG und YPJ, führen bundesweit immer wieder zu Strafverfahren.

Diese Entwicklungen nehmen wir nicht einfach hin. Bleiben wir gemeinschaftlich widerständig und stellen wir uns der massiven Repression geschlossen entgegen.

Lasst uns durch dezentrale Aktionen am Samstag vor dem Rondenbarg-Prozessauftakt zeigen, dass wir uns weder vereinzelt angreifen, noch spalten, noch kriminalisieren lassen. Diesem System mitsamt seiner Repression antworten wir mit praktischem Widerstand.

  • Solidarität mit allen emanzipatorischen Kämpfen!
  • Freiheit für die Gefangenen! Stopp aller Verfahren!
  • Unsere Solidarität gegen ihre Repression!
  • United We Stand!
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Das Kollektiv-Magazin Schwarzer Pfeil

linksunten wurde verboten (1, 2, 3), Indymedia Deutschland hat gefühlt immer Probleme mit DDOS-Angriffen, ist dann nur über Tor zu erreichen und hinkt ansonsten den Entwicklungen eher hinterher¹. Diese beiden zentralen, großen Openposting-Plattformen waren über Jahre die wichtigsten Orte im Internet für die deutschsprachige radikale Linke. linksunten ist bis heute ein schmerzlicher Verlust, der immer noch nicht ausgeglichen ist.

In den letzten zweidrei Jahren gingen die Barrikade und EmRaWi online und werden rege genutzt. Hinter ihnen steht jeweils ein Redaktionskollektiv, das die Artikel vor dem Veröffentlichen liest und dann freischaltet. Kommentieren kann mensch dort nicht.

Seit April 2020 gibt es nun eine weitere Plattform: Der Schwarze Pfeil. Auch hier gibt es eine Redaktion, die darüber entscheidet, welche Artikel veröffentlicht werden. Sie bezeichnen sich als „graswurzeljournalistisches Kollektiv-Magazin freier und unabhängiger Redakteur*innen“. Weiter heißt es in der Eigenbeschreibung:

Wir sind ein Online-Magazin von und für die antiautoritäre Linke – und allen, die sich für Schwerpunkte wie soziale Kämpfe, Antifaschismus/-rassismus/-sexismus, Technik (Datenschutz & Überwachung) sowie aktuelle politische und gesellschaftliche Themen aus antiautoritärer Perspektive interessieren.

Wir sind konsequent systemkritisch und bieten keine Plattform für Hass. Rassismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, versteckter Antisemitismus oder Islamophobie und andere Formen der Menschenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz.

Die Beiträge werden in drei Kategorien eingeteilt: Politik, Gesellschaft & Wirtschaft, Technik und Kultur. Und es haben sich schon einige Artikel angesammelt, darunter Gedichte, aktuelle Überlegungen zur Lage in Belarus und den USA, ein Text zur Geschichte des japanischen Anarchismus, diverse Beiträge zu Corona, kritische Betrachtungen zu Smartphonenutzung und x anderen Themen. Im Juli gab es eine Rojava-Woche: In sieben Artikeln wurde sich der Situation in Rojava kritisch angenähert.

Alles in allem gefällt mir der Schwarze Pfeil ziemlich gut. Er ist eine weitere Möglichkeit für antiautoritäre, linksradikale, anarchistische Berichterstattung und Diskurse. Auch Gastbeiträge sind willkommen. Zudem kann mensch die Artikel kommentieren, auch wenn das bisher eher wenig genutzt wird.

Also: Auf zum Schwarzen Pfeil!


¹ Nachtrag: Da gibt es postitive Entwicklungen: Es gibt jetzt ein Netzwerk von Servern, die einerseits Indy spiegeln und/oder sogar das Posten ermöglichen: Hier könnt ihr den Ankündigungsartikel über Tor und im „normalen“ Internet lesen. (Danke für den Hinweis.)

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Grafi10 in Konstanz besetzt!

Seit nunmehr vier Tagen ist das Haus in der Markgrafenstraße 10 in Konstanz am Bodensee besetzt. Endlich mal wieder eine Hausbesetzung im Südwesten, die nicht gleich wieder geräumt wurde oder nur eine Schein- oder Partybesetzung war.

Das schreiben die Besetzer*innen:

Seid 4 Tagen ist die Grafi10 in der Markgrafenstraße 10 in Konstanz (nahe Bahnhof Petershausen) besetzt. Hier wurde selbstverwalteter Wohnraum und ein linkes Zentrum mit Café und Infoladen geschaffen.
Momentan ist der öffentliche Diskurs von großem Interesse und wir
versuchen die Besetzung zu halten. Wenn ihr Kapazitäten habt uns zu unterstützen, würde uns das sehr freuen und helfen. Also kommt gerne rum, und mobilisiert für die Grafi10! Für Schlafplätze ist gesorgt.

Aktuelle und Hintergrundinfos findet ihr auf dem Blog der Grafi10: grafi.noblogs.org.

Alle da hin!
Wohnraum für alle und zwar umsonst!

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Pandemie – eine utopische Geschichte aus der Zukunft

[Dieser Text ist auch in der 10. Sonderausgabe der Gai Dao enthalten: Pandemischer Ausnahmezustand.]

Pandemie – eine utopische Geschichte aus der Zukunft

Wir schreiben das Jahr 2079. Es hat seit der Corona-Pandemie, die ab 2019 mehrere Jahre auf der Erde gewütet hatte, keinen vergleichbaren globalen Virenausbruch mehr gegeben. Klar, es gab 2037 die SARS-CoV-3-Epidemien. Die beschränkten sich aber auf einzelne Länder und Regionen und liefen sehr glimpflich ab, da wir aus der Pandemie von 2019 gelernt hatten: Nicht nur, dass die weltweite Gesundheitsversorgung auf viel breiteren Fundamenten aufgestellt war und den Menschen gehörte, nein, ab 2022 hatten sich auf der ganzen Erde tiefgreifende Umbrüche und Transformationen ihre Wege gebahnt.

Die Erfahrungen mit SARS-CoV-2 und die Erkenntnis, dass – wenn wir nichts unternehmen – die Klimakatastrophe der menschlichen Zivilisation ein Ende bereiten würde, führten zu ungeahnten Synergieeffekten und in immer mehr Ländern zu mal langsameren, mal sehr schnellen friedlichen und gewalttätigen Veränderungen der Wirtschaftsweise und der Art, wie wir als Gesellschaft Entscheidungen treffen. Heute leben wir weltweit in einer sehr freien Gesellschaft. Die Produktion von Gütern und Energie und die Angebote von Dienstleistungen orientieren sich an den Bedürfnissen der Menschen und ordnen sich ökologischen und sozialen Belangen unter. Wir konnten alle gemeinsam die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise abwenden. Niemand benutzt in diesen Tagen das Wort „Anarchie“. Aber ich als alter Knacker von 91 Jahren tue das mit großer Befriedigung. Schließlich hatte ich so lange ich denken kann genau dafür gekämpft: Für die weltweite Anarchie. Es gibt keine Regierungen mehr, weder demokratische, sozialistische, faschistische, oligarchische oder was auch immer für seltsame Formen es damals gegeben hatte. Die Menschen haben viele neue hierarchiefreie Formen der Selbstorganisierung entwickelt oder sich auf alte besonnen. Lokal kommt es immer wieder vor, dass Gemeinschaften zurückfallen in barbarische Zeiten und einzelne Menschen oder Gruppen es schaffen, so viel Macht zu erlangen, dass wir von einer Regierung sprechen könnten. Wenn denn die Regierten dort bleiben würden. Sie gehen einfach weg und schließen sich den Nachbar-Communen an. Der*die neue König*in sieht dann ganz schön alt aus. Meistens taucht er*sie dann früher oder später ebenfalls bei den Nachbar*innen auf, zerknirscht und reumütig. Aber solche Fälle werden immer seltener. Der letzte, von dem ich hörte, trug sich 2071 irgendwo im ehemaligen Bayern zu. Wenn ich meinen jüngeren Commune-Genoss*innen Anekdoten aus meiner Jugend erzähle, halten sie diese oft für Märchen oder Übertreibungen eines Alten: Motoren, die schädliche Abgase absondern? Tiere ausbeuten und essen? Kohle verbrennen, um Strom herzustellen? Jeden Tag acht Stunden oder mehr für einen anderen Menschen arbeiten, damit ich nicht verhungern muss? Grenzen, die uns daran hinderten, uns frei zu bewegen? Heute alles im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar. Die Transformation ging rasend schnell und verdrängte sehr gründlich das Alte.

Aber zurück zu den Viren oder besser gesagt zu dem neuen Virus, der uns ganz schön zu schaffen machte. Das Forscher*innen-Team, das ihn 2074 zuerst in die Finger bekam und untersuchen konnte, gab ihm den schönen Namen „SARS-BolTru-1“. Also immer noch ein SARS-Virus, der eine schwere Lungenkrankheit auslösen konnte. „BolTru“ in Erinnerung an zwei Regierungschefs, die sich in der Corona-Krise ab 2020 durch ihre besonders schwachsinnigen Entscheidungen, Empfehlungen und Behauptungen hervortaten: Bolsonaro und Trump. Jair Bolsonaro, ein evangelikaler Faschist (beide Begriffe werden euch gerne auf der guten alten Wikipedia erklärt), war Präsident vom damaligen Brasilien und weigerte sich, die Gefährlichkeit von SARS-CoV-2 anzuerkennen, selbst dann noch, als die Menschen zu tausenden wie die Fliegen starben. 2021 wurde er bei der Erstürmung des Regierungsgebäudes, in dem er sich in einer Besenkammer versteckte, von aufgebrachten Angehörigen der Opfer gelyncht. Später kam heraus, dass er zu diesem Zeitpunkt schon selbst schwer an CoVid-19 erkrankt war. Sein Gott hat ihm nicht geholfen. Donald Trump war Präsident der ehemaligen USA und ein narzisstischer White Supremacist. Diese Irren waren doch tatsächlich der Überzeugung, dass Menschen mit hellerer Hautfarbe („weiß“) Menschen mit dunklerer Hautfarbe („schwarz“, „gelb“, „braun“,…) in allen Belangen überlegen seien. Sie unterteilten die Menschen in sogenannte „Rassen“, obwohl schon damals klar war, dass das rein biologisch gesehen totaler Blödsinn war und es keine Menschenrassen gibt. Aber das war ihnen egal. Fakten spielten für solche Menschen noch nie eine Rolle. Sie wollten in Hierarchien denken und leben. Sie brauchten Menschen, denen sie weniger Wert zuschreiben konnten, um sich selbst zu erhöhen. Naja, auf jeden Fall war Trump mit Schuld daran, dass in den USA hunderttausende von Menschen sterben mussten, weil er sich weigerte, geeignete Maßnahmen in die Wege zu leiten und total bescheuerte Heilungsmethoden vorschlug. Er selbst starb viele Jahre später in einem Commune-Pflegeheim, wo er von Menschen mit allen Hautfarben bis zu seinem altersbedingten Tod würdevoll versorgt wurde.

BolTru war ganz schön heimtückisch. Er hatte eine Inkubationszeit von drei Wochen, während der Wirt schon hochansteckend war. Patientin Null war eine Ärztin, die mit einer Gruppe Lern-Kollektivistas im Dschungel vom ehemaligen Königreich (noch so ein Märchen…) Kambodscha unbekannte Heilpflanzen suchte. Sie wurde im Schlaf unbemerkt von einem infizierten Flughund gebissen und steckte sich so an. Bis bei ihr die ersten Symptome auftraten, hatte sie schon viele Menschen angesteckt. Auch wenn wir nicht mehr so viel und schnell reisen und so viele Güter um die Welt schicken wie vor 60 Jahren, hatte der Virus Zeit, sich über Tröpcheninfektion ganz schön weit auszubreiten. Die Lern-Kollektivistas kamen von drei Kontinenten. Viele von ihnen reisten zur Feier des Freiheitstages mit dem Solargleiter oder dem Continental-Speeder nach Hause, wo sie den Virus dann unwissentlich weitergaben. Bis hierher ähneln sich die Ausbreitungsszenarien. Ab hier ist vieles anders. Das Forscher*innen-Team in Mumbai, das BolTru entdeckte, veröffentlichte seine Ergebnisse sofort im Sci-Net und informierte alle Communen, Föderationen und kontinentalen Ratschaften. Keine Funktionär*innen oder Bürokrat*innen konnten dazwischengrätschen, um sie mundtot zu machen, weil sie Repression oder einen „Imageschaden“ für sich und ihre Regierung befürchteten. Keine finanziellen Interessen spielten an irgendeiner Stelle eine Rolle: Es gibt schon seit 2054 kein Geld mehr, geschweige denn wirtschaften wir profitorientiert. Der Kapitalismus hatte sich nach und nach selbst überwunden mit großer Hilfe von millionen Projekten auf der ganzen Welt, die ihn in immer mehr Nischen ersetzten, bis ein Kipppunkt erreicht war und er 2048 zusammenbrach, ohne alles mit in die Tiefe zu reißen. Es gab überall ausgefeilte Pläne für den Fall einer Pandemie und zu ihrer Eindämmung. Sie unterschieden sich lokal und regional zwar in Punkten, hatten aber eins gemeinsam: Sie beruhten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Erfahrungen aus der Vergangenheit und Vernunft. In allen Commune-Gesundheitshäusern lagerten Vorräte an Infektionsschutzausrüstung. Für jede Fachperson gab es drei wiederverwendbare Komplettausrüstungen. Es gab genug Desinfektionsmittel und genug Intensivbetten mit genügend Beatmungsgeräten. Die schnell erarbeiteten BolTru-Tests wurden in ausreichender Zahl hergestellt und verteilt. So konnte flächendeckend getestet und erkrankte Menschen isoliert und versorgt werden. Über das Federations-Net – das ehemalige Internet – wurden die Ratschläge zur Bekämpfung des Virus verteilt, in den Commune-Plena und Quartiers-Treffen besprochen und ihre Umsetzung geplant. Es brach keine Panik aus. Klopapier wurde nicht gehortet (was wahrscheinlich daran lag, dass es keines mehr gibt: Die Tatsache, dass sich unsere Vorfahr*innen den Arsch mit trockenem Papier – oft aus toten Bäumen hergestellt – abgewischt haben, ist heute eines dieser Märchen, die ich zum Besten gebe…). Lebensmittel wurden nicht tonnenweise auf Vorrat gekauft (was wahrscheinlich daran lag, dass es nichts zu „kaufen“ gibt: In den Distributionshäusern nimmt sich jede*r das, was er*sie braucht oder will). Verschwörungstheorien waren sowieso unbekannt, da die Gesellschaften transparent, von unten und von uns selbst organisiert sind. Die Menschen agierten in den allermeisten Fällen rational und gelassen. Es kam kaum zu Konflikten, auch wenn manchmal bestimmte Güter knapp wurden. Gegenseitige Hilfe und freiwillige Kooperation waren so in Fleisch und Blut der Menschen übergegangen, gehörten so zum Alltag unserer Leben, dass „Hamstern“, „Betrug“, „Stehlen“ gar nicht mehr zum Handlungsrepertoire gehörten, ja nicht einmal mehr im Wortschatz vorkamen. Die Menschen trugen einen Mund-Nasen-Schutz, hielten Abstand zueinander, wuschen sich regelmäßig gründlich die Hände und praktizierten das Niesen und Husten in die Ellenbeuge, weil sie wussten, dass diese Verhaltensregeln Sinn machten. Da Arbeit nicht als Lohnarbeit existierte, es keine Chef*innen oder Vorgesetzten gab, konnte sie in der Krise anders und sicher für alle organisiert werden. Keine*r musste Angst davor haben, seine Wohnung zu verlieren oder zu hungern.

Es erkrankten viele und es starben einige Menschen an BolTru. Aber eine Pandemie im eigentlichen Sinne konnte verhindert werden. Der Virus wurde innerhalb von sieben Wochen nach dem ersten Auftreten eingedämmt. Über den Globus verteilt forschten unzählige Teams offen und frei an einem Gegenmittel und einem Impfstoff. Sogar auf der GSS Greta (das GSS steht für Global Space Station, die Nachfolgerin der ISS) wurde experimentiert. Nennenswerte Ergebnisse wurden dort zwar nicht erzielt, aber als Nebenprodukt entdeckten die Wissenschaftler*innen ein erstaunlich wirksames Haarwuchsmittel, das aber – wie sich später herausstellte – nur in Schwerelosigkeit wirkte. Alle Ideen, Verfahren, Ergebnisse und Erkenntnisse – auch Fehlschläge – wurden sofort im Sci-Net gepostet und in den dortigen Diskussions-Foren erörtert. Innerhalb von sechs Monaten gab es ein Gegenmittel und nach elf Monaten einen Impfstoff. Darauf gab es keine Patente, Copyrights oder andere Beschränkungen, die den Profit eines Konzernes sichern sollten, sondern die Herstellungsverfahren waren allen Menschen auf der Erde lizenzfrei zugänglich. Ganz im Sinne von Jonas Salk, dem Erfinder des Polio-Impfstoffes in den 1950er Jahren. Er erwiderte schon damals auf die Frage, wer denn das Patent besitze: „Alle Menschen. Es gibt kein Patent. Können Sie die Sonne patentieren?“ Alle entsprechend ausgerüsteten Einrichtungen wie Labore und Lern-Kollektive stellten sie her und verteilten sie an die Gesundheitshäuser der Communen.

Das an meinem Lebensabend zu erleben, hat mich zutiefst beruhigt und mir gezeigt, dass unsere neuen Gesellschaften eine gute, stabile Basis haben, nämlich uns Menschen. Damals während der Corona-Pandemie fußte so ziemlich alles auf Herrschaft, Profit und Wachstum. Das war wie ein Fundament aus trockenem Sand: Bei jedem kleinen Regenguss – wir nannten es „Krise“ – kam alles ins Rutschen, zerfiel und riss die Menschen mit sich in den Abgrund. Ich bin jetzt über 90 Jahre alt und sehe zuversichtlich in die Zukunft, weil ich erlebt habe, zu was wir fähig sind. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und werden unseren Kindern und Kindeskindern eine wieder einigermaßen bewohnbare Erde hinterlassen. Die Erde wird mir leicht sein.

Hiermit endet mein kleiner Bericht. Ich muss mich jetzt auf den Weg zum Commune-Plenum machen. Dort gibt es immer so leckere Sauerkraut-Muffins.

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Ich bin im Anarchie-Test durchgefallen …

Auf dem Zündlumpen-Blog ist eine Antwort auf meine Antwort zur Polemik gegen meinen Corona-Text Neulich im Supermarkt…“Der Ball muss rollen!“ erschienen.

Lest den Text Im Anarchie-Test durchgefallen …hier.

Für mich ist gut jetzt. Da gehen die Sichten auf die Welt zu weit auseinander.

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Aufruf zur Internationalen Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen vom 23. bis 30. August 2020

Ein neues Jahrzehnt hat auf diesem Planeten begonnen. Mit dem Aufstieg rechter Bewegungen und dem langsamen Niedergang der Sozialdemokratie blicken wir für die kommenden Jahre einem intensiven Kampf gegen Staat und Kapitalismus entgegen. Doch schon jetzt sitzen viele Anarchist:innen wegen ihrer Kämpfe in Gefängnissen, von liberalen Menschenrechts-NGOs wegen ihrer „gewalttätigen“ Aktionen nicht beachtet.

Nicht selten erhalten Anarchist:innen Solidarität aus den Teilen der Gesellschaft, aus denen sie kommen. Wer kann sie schließlich besser unterstützen als die Mitmenschen, die im gleichen Elend der Ausbeutung gefangen sind. Wir glauben jedoch, dass die Verantwortung für diejenigen, die in verschiedenen Teilen der Welt Repressionen ausgesetzt sind, nicht nur auf den Schultern der lokalen Gemeinschaft, sondern auch auf denen der internationalen anarchistischen Bewegung liegen sollte. Durch unsere kollektiven Aktionen können wir nicht nur die Ressourcen, die anderswo benötigt werden, weitergeben. Wir können, durch revolutionäre Liebe und direkte Aktionen auch die Feuer in den Herzen der Inhaftieren am brennen halten!

Dies ist ein Aufruf an euch, sich mit den inhaftierten Anarchist:innen auf der ganzen Welt solidarisch zu zeigen. Ab dem 23. August 2020 – dem Tag der Hinrichtung von Sacco und Vanzetti – könnt ihr alles tun, was ihr euch nur vorstellen könnt. Einiges davon solltet ihr in die Tat umsetzen, damit die Menschen eure Energie spüren können und unsere kollektive Stärke im revolutionären Kampf sichtbar wird!

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ABC Brighton
ABC Warsaw
ABC Dresden
ABC Belarus
NYC Anarchist Black Cross
Cempaka Collective
Anarchist Union of Afghanistan and Iran
anarchistnews.org

Weitere Infos findet ihr auf der Website solidarity.international.

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