R.I.P. Gai Dao

Nach zehn Jahren stellt die Zeitschrift der FdA, die Gai Dao, ihr Erscheinen ein. Hin und wieder habe auch ich einen Text beigesteuert und einige Jahre an ihr mitgewirkt.

Die letzte (reguläre) Ausgabe könnt ihr hier lesen und herunterladen.

 

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In Erinnerung an Bayram!

[Zuerst veröffentlicht auf der Seite der FdA] Bayram Mammadov, ein Anarchist aus Aserbaidschan, ist tot. Wir trauern um seinen Verlust, ein Mensch lässt sich durch niemanden ersetzen. Die zweifelhaften Umstände seines Todes bringen uns wieder die unmenschlichen Auswirkungen staatlicher Gewalt nahe. Unser Genosse und Gefährte wurde in Istanbul Anfang Mai tot aus dem Meer geborgen. Die türkische Polizei und aserbaidschanische Medien schreiben von Suizid oder einem Unfall. Oppositionelle hingegen zweifeln dies an. Freund*innen und Familie fordern Aufklärung über die Todesumstände.

Bayram wurde seit Jahren als Anarchist und bekannter Regimekritiker des autokratischen Staatspräsidenten Ilham Alijew in Aserbaidschan verfolgt. Er wurde 2016 als junger Aktivist gemeinsam mit Giyas Ibrahimow wegen eines Graffittis auf der Statue des ehemaligen aserbaidschanischen Präsidenten (und Vater des aktuellen) zu über 10 Jahren Haft verurteilt. Die Angeklagten und Verurteilten wurden mehrfach schwer gefoltert und ihnen wurden Drogen untergeschoben, um sie zu einer hohen Haftstrafe wegen Drogenbesitzes verurteilen zu können. Nach einer europaweiten Solidaritätswelle wurden Bayram und Giyas schließlich 2019 im Rahmen eines Präsidialerlasses begnadigt. Anfang 2020 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass die Verfolgung und Verurteilung der beiden Aktivisten politisch motiviert und somit unrechtmäßig sei.

Seit 2019 lebten Bayram und Giyas in der Türkei. Giyas wurde zwei Wochen vor Bayrams Tod ohne Nennung von Gründen nach Aserbaidschan abgeschoben. Damit ist Giyas einer von vielen Aktivist*innen und Oppositionellen, die vor der Verfolgung in Aserbaidschan in der Türkei Asyl suchten und von den freundschaftlichen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und der Türkei überrollt wurden. Autoritäre Regime werden sich immer gegenseitig stützen. In der Verfolgung von politischen Aktivist*innen und Gegner*innen werden sie immer zusammenarbeiten. Wie weit ging das gemeinsame Vorgehen gegen Bayram in den beiden Ländern?
Bei seiner Einreise vor einigen Wochen wurde Bayram stundenlang von den türkischen Behörden verhört. Er ist nicht der erste Kritiker des Regimes in Baku, der unter zweifelhaften Umständen im Ausland ums Leben gekommen ist.

Sollte es keinen staatlich motivierten Mord an Bayram gegeben haben, verbleiben Unfall und unterlassene Hilfeleistung durch anwesende Behördenmenschen während des Ertrinkens oder Suizid als Ursachen. Letzteres ist eine ebenfalls zutiefst erschütternde und andauernde Konsequenz staatlicher Gewalt: Suizid als Entscheidung gegen das Leben, das aufgrund der Verfolgung, Inhaftierung und Folter unerträglich wurde.

Wir werden Bayram nicht vergessen. Wir werden das, was passiert ist, nicht vergessen. Wir werden uns erinnern, wie wir es tun, seitdem wir anfingen zu kämpfen und besiegt wurden. Einmal, zweimal, tausendmal. Damals wie heute. Unsere kollektive Erinnerung wird länger währen als ihre Herrschaft und ihre verzerrende Geschichtsschreibung. Wir haben uns 2016 solidarisch gezeigt und wir tun es heute. Unser Mitgefühl gilt den Freund*innen und Bayrams Familie. Wir kämpfen wie Bayram weiter für unsere Träume und eine bessere Welt.

Für die Verfolgten, für die Toten! Heute wie damals. Unsere Solidarität gegen ihre Unterdrückung! Für Bayram!

Einige Gefährt*innen/Genoss*innen aus der FdA

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Mehrere hundert Menschen demonstrieren gegen die LEA in Freiburg

Mehrere hundert Menschen folgten dem Aufruf der Kampagne „Grundrechte am Eingang abgeben“ und demonstrierten unter dem Motto „KEINE LAGER – KEINE LEA“ am gestrigen Samstag gegen die Landeserstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete und für selbstbestimmtes Wohnen in Freiburg.

Als im Jahr 2015 die BEA (Bedarfsorientierte Erstaufnahmeeinrichtung) in Freiburg ihren Betrieb aufnimmt, freut sich die Stadtverwaltung: In Zukunft werden alle Geflüchtete in Freiburg zentral hier untergebracht und für die Stadtkasse entstehen keine Kosten. Diese werden vom Land getragen. Die aufwändige und nervige Unterbringung in menschenwürdigen, richtigen Wohnungen entfällt auch.
2018 wird aus der BEA eine LEA, eine sogenannte Landeserstaufnahmeeinrichtung. Das Gelände bleibt das selbe: Eingezäunt und mit Stacheldraht „gesichert“. In der ersten Zeit war der Zaun zusätzlich von Nato-Draht gekrönt, ein Überbleibsel aus dem Jahr 2009, als das Gelände noch die Akademie der Polizei Baden-Württemberg beherbergte und der BAO Atlantik als Hauptbefehlsstelle der Bullen während des Natogipfels in Strasbourg, Kehl und Baden-Baden diente.
Schnell wird deutlich unter welchen menschenunwürdigen und schikanösen Zuständen die Geflüchteten in der LEA leben müssen. Eine zwölfseitige Hausordnung schreibt ihnen minutiös vor, was sie alles nicht dürfen. Privatsphäre (so können z. B. Zimmer nicht abgeschlossen werden, Zimmer-, Körper- und Taschenkontrollen sind jederzeit möglich), selbstbestimmte Ernährung, politische Weiterbildung, Alkohol, unangekündigter Besuch und vieles mehr sind in der LEA nicht vorgesehen. Die Einhaltung der Hausordnung wird durch einen privaten Sicherheitsdienst überwacht. Gemeinsam mit Betroffenen organisierten verschiedene Freiburger Gruppen den Widerstand gegen die LEA. Neben Anfragen an das Regierungspräsidium, Infoveranstaltungen, Demos, Mahnwachen, einem Grundrechte-Booklet für die Betroffenen, Pressearbeit, einem Rechtsgutachten im Auftrag von LEA-Watch und Aktion Bleiberecht, einem offenen Brief, einer Normenkontrollklage gegen die Hausordnung klagen vier Geflüchtete gemeinsam mit der GFF, ProAsyl, Aktion Bleiberecht Freiburg und dem Flüchtlingsrat Baden-Württemberg gegen die Hausordnung der Landeserstaufnahmeeinrichtungen in Baden-Württemberg/Freiburg. Inzwischen unterstützen über 50 Gruppen aus Freiburg die Kampagne und immer mehr Zeitungen berichten über die LEA.

So folgten am gestrigen Samstag mehrere hundert Menschen dem Aufruf zur Demo „KEINE LAGER – KEINE LEA“ der Kampagne „Grundrechte am Eingang abgeben“ und trafen sich zur Auftaktkundgebung auf dem Platz der alten Synagoge in Freiburg. Mit Abstand und Masken hörten die Menschen Reden von z. B. einem ehemaligen Bewohner der LEA und Black Lives Matter Freiburg (Facebook: blacklivesmatterfreiburg).
Der daraufhin folgende Demonstrationszug wurde von der Orga mithilfe von Absperrband in mehrere Blöcke unterteilt. Dies erinnerte die Teilnehmer*innen daran, dass sie nicht unnötigerweise im Demozug hin- und hergehen sollten. Auch diese Maßnahme zeigte, dass sowohl die Orga wie auch die Teilnehmer*innen Corona ernst nahmen und sie zeigte, dass wir dennoch – trotz Corona – auf die Straßen gehen können, um uns für eine andere Welt einzusetzen.
Die Demo zog bei schönstem Wetter kreuz und quer durch Freiburg, begleitet von mindesten zwei Trommelgruppen (habe ich schon jemals eine Demo in Freiburg ohne erlebt? 😉 ), Lautidurchsagen, Musik, Sprechchören, Transparenten und Schildern, um dann letztendlich vor der LEA anzukommen. Hier wurden nochmal diverse Reden von z. B. Solidarity City und einer evangelischen Pfarrerin gehalten. Letztere schilderte ihre Eindrücke aus persönlichen Gesprächen mit Bewohner*innen der LEA und machte damit das große Leid dort deutlich. Beim Open Mike sprach ein derzeitiger Bewohner über seine Erfahrungen unter den menschenunwürdigen Umständen in der LEA – er benutzte mehrmals den Begriff „Prison“, Gefängnis.

In allen Redebeiträgen wurde deutlich, dass es hier nicht um Forderungen wie besseres Essen (und das Essen in der LEA ist grauenhaft) oder tolleres W-Lan geht. Es geht ganz einfach darum, die LEA abzuschaffen. Es geht darum, jedes Lager zu schließen und die Menschen, die – egal warum – zu uns kommen, menschenwürdig zu behandeln. Und das geht eben nicht in zentralen Lagern, die mit Stacheldraht umgeben sind und von grimmigen Möchtegernbullen bewacht werden. Das geht nicht, indem Menschen entmündigt werden und ihnen jede Hoffnung auf ein besseres Leben geraubt wird. Das geht nur, indem wir ihnen die gleichen Rechte zugestehen, die Menschen mit deutschem Pass auch haben.

Ausführliche Infos zur LEA und der Kampagne findet ihr auf grundrechte-am-eingang-abgeben.de.

Keine Lager nirgendwo.
Gleiche Rechte für alle.
Refugees welcome.

[Lest auch den Bericht auf der Seite von Aktion Bleiberecht. Dort ist auch z. B. der Redebeitrag von Solidarity City verlinkt. Weitere werden folgen.]

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Zugtreffpunkt zur Demo „KEINE LAGER – KEINE LEA“ in Freiburg

[alarm Offenburg organisiert einen Zugtreffpunkt zur Demo in Freiburg am kommenden Samstag]

Wir treffen uns am Samstag, den 24. April, um 12:45 Uhr auf Gleis 2. Der Zug fährt um 13:06 ab.

+++ Für die Zugfahrt und die Demo gilt: Kommt mit medizinischem Mund- und Nasenschutz bzw. FFP2-Masken und haltet Abstand! Schwurbler*innen bleibt zuhause.+++

Demonstration Samstag, 24. April 2021 – 14 Uhr – Platz der alten Synagoge, Freiburg

KEINE LAGER – KEINE LEA – Für eine Abkehr von Massenunterkünften – in Freiburg und überall!

Seit langem gibt es Kritik an der Landeserstaufnahmeeirichtung (LEA) in der Lörracherstraße in Freiburg. Die Einrichtung ist für 800 Personen vorgesehen. Schnelle Asylverfahren, Abschiebungen aus der Einrichtung, Grundrechtseingriffe und ein isoliertes Leben für die Untergebrachten ist Alltag. Die Pandemie verdeutlicht die untragbaren Zustände. Im Rahmen einer Evaluation sollte am 29. April im Migrationsausschuss des Gemeinderates über die LEA beraten werden. Aufgrund der Klage mehrerer Bewohner beim Verwaltungsgerichtshof gegen die grundrechtswidrige Hausordnung wurde dieser Termin nun verschoben. Die Diskussion über die LEA ist allerdings schon lange überfällig. Wir werden nicht auf diesen Termin warten, sondern JETZT auf die Straße gehen. Wir fordern vom Gemeinderat ein klares politisches Zeichen: NEIN zur LEA, JA zu selbstbestimmtem Wohnen!

Die jetzige Ausgestaltung der LEA ist Ausdruck einer anhaltenden restriktiven bundesweiten Asylpolitik, die vom Abbau von Asyl- und Aufenthaltsrechten für Geflüchtete bestimmt ist. Mit dem Lager setzt Freiburg die bundes- und landesweite Ausgrenzungspolitik ohne Widerspruch kommunal fort. Wer die LEA in der Stadt duldet, akzeptiert zugleich die Verletzung von Grundrechten. Dies wurde eindrücklich in einem Rechtsgutachten zur gültigen Hausordnung festgestellt. Die Entscheidung für eine LEA wiegt umso schwerer, weil sich Freiburg damit von der kommunalen Aufnahme „freikauft“ und in Zukunft keine neu ankommenden Geflüchteten mehr im Stadtgebiet leben werden. Die Bewohner*innen der LEA bekommen entweder einen Transfer in einen anderen Landkreis oder werden abgeschoben. Das ist ein offener Angriff auf die vielfältigen Unterstützungsstrukturen in Freiburg. Es bedeutet aber vor allem, dass die Untergebrachten teils über Jahre in Unsicherheit und ständiger Angst vor Abschiebung leben müssen.

Viel zu lange hat sich die Stadt Freiburg vor der Verantwortung für die LEA gedrückt. Auch wenn die Einrichtung vom Land geführt wird, hat die Stadt dem Betrieb ausdrücklich zugestimmt. Wir wollen gemeinsam demonstrieren, um zu zeigen, dass wir mit dieser Zustimmung nicht einverstanden sind. Wir fordern, dass der Gemeinderat die politische Unterstützung für die LEA zurücknimmt:
NEIN zur Landeserstaufnahmeeinrichtung!
JA zu selbstbestimmtem Wohnen!

Mehr Infos unter grundrechte-am-eingang-abgeben.de

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Debian GNU/Linux auf dem Rechner: Ein Betriebssystem, das alles bietet, was wir brauchen

In meinem Text „Alles für alle und zwar Umsonst – Freie Software und Anarchismus“¹ bin ich auf Freie Software im Allgemeinen, ihre Entstehungsgeschichte und ihre Anknüpfungspunkte zum Anarchismus eingegangen. In loser Folge will ich nun ganze Betriebssysteme und einzelne Programme vorstellen, immer im Hinterkopf behaltend, was ich im oben erwähnten Artikel schrieb.

Beginnen will ich mit dem Betriebssystem (BS), das ich selbst im produktiven Einsatz auf meinen Rechnern installiert habe, Debian GNU/Linux.2 Da ich als grafische Oberfläche Gnome verwende, beziehen sich meine Beschreibungen darauf. Während der Installation (aber auch danach) kann mensch zwischen diversen Oberflächen wählen oder sich gleich mehrere installieren.

Die Idee zu Debian GNU/Linux entstand durch Ian Murdocks Unzufriedenheit mit einer Software, in diesem Fall mit einer der allerersten Linux-Distributionen Softlanding Linux System (SLS). Er begann daraufhin ab 1993 eine eigene zu entwickeln: Debian GNU/Linux war geboren. Der Name Debian leitet sich von Ians Frau Debra und seinem eigenen Vornamen Ian ab.

Eine kleine Gruppe von Freie Software-Hacker*innen formierte sich um das unkommerzielle Projekt und wuchs zu einer großen Gemeinschaft von heute nahezu 1000 freiwilligen Entwickler*innen an. Debian GNU/Linux ist die bedeutendste GNU/Linux-Distribution in vielerlei Hinsicht: Es gibt sie nun schon kontinuierlich seit 28 Jahren. Es gibt keine*n Chef*in. Sie ist an keine Firma gebunden. Sie ist unabhängig. Sie hat als einzige einen Gesellschaftsvertrag3, der sicher stellt, dass das BS für immer frei bleiben wird. Sie ist die Grundlage, auf der weitere große und beliebte Distributionen wie die *Buntus (Ubuntu, Xubuntu, Lubuntu, Kubuntu, …) oder Linux Mint und unzählige andere kleine oder sehr spezielle (wie zum Beispiel Tails4) aufbauen. Das spricht für Qualität und Stabilität, beides wichtige Fundamente für ein BS.

Das Projekt legt großen Wert auf Stabilität und Verlässlichkeit: Die sogenannte Stable-Version (also „stabile Version“, z. Z. ist das Debian GNU/Linux 10 Buster) erscheint erst dann, wenn sie fertig ist und nicht, wenn es eine Erscheinungsroutine vorgibt. Das ist zur Zeit ca. alle zwei Jahre der Fall. Das hat zwar zur Folge, dass die integrierte Software schon ein bischen abgehangen – lies: alt – ist, aber eben auch, dass das BS läuft wie eine gut geölte Maschine: rund und ohne abzustürzen. Es tut, was es tun soll und das mit großer Power. Eine Version wird fünf Jahre lang mit Updates unterstützt. Spätestens nach dieser Zeitspanne sollte mensch auf die nächste Stable upgraden.

Die Installation von Debian GNU/Linux hatte lange den Ruf, sie sei aufwändig und nur was für Nerds und Expert*innen. Das gilt schon seit Jahren nicht mehr: Die Installation ist im Großen und Ganzen genauso einfach wie bei jedem anderen BS. Eine grafische Oberfläche führt leicht verständlich durch den Prozess und heutzutage fast immer zum Erfolg, so dass mensch am Ende ein modernes, freies BS auf der Festplatte hat, das sehr gut zum Tun von Anarchist*innen passt: Es ist das Produkt einer riesengroßen freien Vereinbarung. Pjotr Kropotkin würde Debian GNU/Linux kaufen nutzen.

Um sicherzustellen, dass die Hardware des Computers mit dem BS harmoniert, ist es sinnvoll vor der Installation, die Live-Version des BS zu starten. So können alle Funktionen ausprobiert werden, ohne dass das aktuelle BS angefasst wird. Wenn alles läuft, kann die eigentliche Installation5 beginnen.

Einen enormen Gewinn für die Datensicherheit und Privatsphäre bietet während der Installationsroutine die Funktion, die gesamte Festplatte verschlüsseln zu können. Hier vergibt mensch ein langes und sicheres Passwort bzw. eine Passphrase6, mit dem oder der dann später die verschlüsselte Festplatte und das sich darauf befindliche BS entschlüsselt wird. Ohne Passwort hat niemensch die Chance, an die Daten heranzukommen (wenn der Rechner aus ist). Unzählige Bullen und Geheimdienste haben sich schon ihre Zähne an gut verschlüsselten Geräten ausgebissen.7

Bei Laptops muss mensch oft noch die Treiber für das WLAN-Modul nachinstallieren, da diese nicht als Freie Software vorliegen und darum nicht im original BS enthalten sind. Für Einsteiger*innen mit einem Laptop kann es daher komfortabler sein, einen kleinen Kompromiss zu machen und das nichtoffizielle Non-free-Image für die Installation zu benutzen.8 Es enthält diverse unfreie Software, die für bestimmte, total vernagelte Hardware unabdingbar ist.

Nach der erfolgreichen Installation, hat mensch ein komplettes BS auf der Festplatte. Alle im Alltag benötigten Programme befinden sich schon an Bord: Firefox als Browser, der E-Mail-Client Evolution (ein mächtiges Programm ähnlich Thunderbird; wer dennoch Thunderbird nutzen will, kann das problemlos aus nachinstallieren: es wird offiziell von Debian GNU/Linux unterstützt), das Büropaket LibreOffice, der Audioplayer Rhythmbox und viele weitere.

Nun beginnt das Finetuning: Übertragen der vorher gesicherten Daten (Texte, Fotos, Filme, Musik, E-Mails, Browser-Lesezeichen,…) und das Nachinstallieren eventuell benötigter Spezialprogramme. Das Debian GNU/Linux-Universum bietet hier eine schier unerschöpfliche Quelle an Software für nahezu alle Zwecke: Es gibt aktuell ca. 57.000 Programmpakete. Und alles ist frei in vielerlei Hinsicht: Frei von Kosten für die Nutzer*innen und frei von Einschränkungen wie z. B. kapitalistischer Knebellinzenzen.

Software kann sehr einfach und sicher9 über das Programm „Software“ installiert werden , das nach Kategorien sortiert ist oder über das Paketverwaltungssystem APT in der Konsole. Ein umfangreiches Wiki für Programme bietet die Community-Website Ubuntuusers10: Debian GNU/Linux ist zwar nicht Ubuntu, aber da Ubuntu auf Debian GNU/Linux basiert und dessen Paketverwaltung dpkg mit seinen tausenden Paketen verwendet, ist das Wiki in den meisten Fällen für Debian GNU/Linux nutzbar.

Ich arbeite seit vielen Jahren sowohl auf meinem Laptop wie auch an meinem Desktoprechner mit der jeweils aktuellen Stable-Version von Debian GNU/Linux und hatte nie nennenswerte Probleme mit dem Grundsystem. Hakte es dann doch einmal an anderen Stellen, fand ich immer kompetente Hilfe im deutschsprachigen Debian-Forum.11

Ich kann all das tun, was andere mit ihren Windows- oder Applecomputern auch können: Im Internet surfen (es gibt X verschiedene Browser), den Tor-Browser nutzen, verschlüsselte E-Mails schreiben, verschlüsselt chatten, Texte schreiben, Musik verwalten und abspielen, Filme verwalten und schauen, Fotos verwalten und bearbeiten, mit einem Grafiktablett zeichnen und malen, Passwörter generieren und verwalten, E-Books verwalten und bearbeiten, Videos bearbeiten, Präsentationen erstellen, Audiodateien aufnehmen und bearbeiten, Dokumente einscannen oder ausdrucken, den Raspberry Pi verwalten, wenn ich wollte, könnte ich zocken und wenn ich könnte, könnte ich programmieren.

All das tue ich mit der Gewissheit, dass die Softwareprodukte, die ich einsetze, programmiert wurden und werden, um ihren Zweck zu erfüllen und nicht, um eine Ware zu sein und Profit für einen Konzern zu generieren, der erstens mit den Linzenzen und zweitens mit meinen persönlichen Daten Milliarden verdient. Die Menschen, die am Debian GNU/Linux-Projekt beteiligt sind und dafür Code schreiben, tun das aus Leidenschaft und mit großer Kompetenz. Sie fühlen sich einer bestimmten Ethik und Philosophie verpflichtet, die das Gemeinwohl der Menschen im Blick haben. Wir sind nicht ihre Kund*innen und schon gar nicht ihre Produkte12, sondern Menschen, die – wollen sie in einer freien Gesellschaft leben – u. a. gute, sichere und frei zugängliche Software brauchen.

Was mir ebenfalls an Debian GNU/Linux gefällt, ist der Fakt, dass es seit vielen Jahren das Paket „anarchism“ in den Ressourcen gibt: Die »Anarchist FAQ« sind eine exzellente Quelle für Informationen über anarchistische (freiheitlich sozialistische) Theorie und Praxis. Sie sprechen alle wichtigen Themen, von den Anfängen des Anarchismus bis zu sehr spezifischen Diskussionen über Politik, soziale Organisation und Ökonomie, an.“13 Immer wieder kommt es zu Beschwerden über das Paket, die dann ganz schnell verstummen, wenn im Gegenzug verlangt wird, dass dann auch das Paket „bible-kjv“, also die King James-Bibel, entfernt werden müsse. Amen.

Endnoten

1 https://nigra.noblogs.org/post/2021/03/13/alles-fuer-alle-und-zwar-umsonst-freie-software-und-anarchismus-2/

2 https://www.debian.org/; Ich schreibe konsequent Debian GNU/Linux, weil: „Linux ist der Betriebssystemkern: das Programm im System, das die Ressourcen des Systems an die anderen Programme zuteilt. Der Systemkern ist ein wesentlicher Bestandteil eines Betriebssystems, für sich genommen aber nutzlos; er kann nur im Kontext mit einem kompletten Betriebssystem funktionieren. Linux wird üblicherweise in Kombination mit dem GNU-Betriebssystem genutzt: das ganze System ist grundsätzlich GNU mit hinzugefügtem Linux ‑ oder GNU/Linux. All die sogenannten „Linux“-Distributionen sind tatsächlich GNU/Linux-Distributionen.“ (aus: https://www.gnu.org/gnu/linux-and-gnu.de.html)

3 https://www.debian.org/social_contract

4 Tails ist ein Live-System, das auf Anonymität und Sicherheit setzt. Siehe: https://tails.boum.org/

5 https://debian-handbook.info/browse/de-DE/stable/sect.installation-steps.html

6 https://www.privacy-handbuch.de/handbuch_35a.htm und https://www.selbstdatenschutz.info/passwort

7 „Da es den Ermittlungsbehörden allerdings bislang nicht gelungen ist, die als Beweismittel beschlagnahmten IT-Asservate zu entschlüsseln,…“ aus https://netzpolitik.org/2019/das-verbot-von-linksunten-indymedia-und-die-zweifelhafte-rolle-des-verfassungsschutzes/ und „Das LKA Baden-Württemberg konnte – trotz Hilfe von Behörden und Geheimdiensten wie Bundespolizei und Bundesamt für Verfassungsschutz – die Verschlüsselung nicht knacken.“ aus https://www.neues-deutschland.de/artikel/1124528.indymedia-linksunten-verfahren-eingestellt.html und „Dem mit der Entschlüsselung und Auswertung beauftragten Bundesamt für Verfassungsschutz gelang es in drei Jahren nicht, die Verschlüsselung zu knacken.“ aus https://rdl.de/beitrag/verfassungsschutz-gibt-entschl-sselung-der-festplatte-mit-daten-von-freiburger-stuiderenden

8 https://cdimage.debian.org/images/unofficial/non-free/images-including-firmware/

9 https://de.wikipedia.org/wiki/Debian#Software-Sicherheit

10 Hauptseite: https://ubuntuusers.de/ und das Wiki: https://wiki.ubuntuusers.de/Startseite/

11 https://debianforum.de/forum/index.php

12 Anspielung auf die oberflächliche Behauptung, dass das Produkt von z. B. Facebook ein Soziales Netzwerk sei. Tatsächlich verkauft Facebook (und andere Konzerne wie z. B. Google) seine Nutzer*innen (bzw. deren Daten) an seine Kund*innen. Die Kund*innen sind die Firmen, die personalisierte Werbung in z. B. unsozialen Netzwerken schalten und für die Daten der Nutzer*innen bezahlen.

13 https://packages.debian.org/stable/doc/anarchism

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Alles für alle und zwar umsonst… Freie Software und Anarchismus

[Dieser Text erscheint auch in der aktuellen Ausgabe der Gai Dao.]

Dieser Artikel erschien zuerst am 28.10.2013 auf linksunten.indymedia.org. Durch das Verbot von linksunten im Sommer 2017 verschwand er wie tausende andere in den Tiefen des Internets.¹ Darum und weil er eine Auffrischung und ein paar Erweiterungen benötigte, erscheint er hier in aktualisierter Fassung.

Die Freie-Software-Bewegung ist die radikale, anarchistische Kritik an der heutigen Ordnung des geistigen Eigentums, nicht nur in der liberalen Gesellschaft Amerikas, sondern an dessen Ordnung in der ganzen globalisierten Welt.“²

Mein erster bewusster Kontakt mit Freier Software wurde aus der Not heraus geboren: Nach einer Hausdurchsuchung vor einigen Jahren und der damit einhergehenden Beschlagnahme unseres unverschlüsselten Wohngemeinschaftscomputers (wir waren damals die absoluten Computer-Dummies), begann ich mich als Computerlaie mit Datensicherheit und Verschlüsselung zu beschäftigen. Ich wollte für zukünftige Besuche unserer Freund*innen und Helfer*innen gewappnet sein und den Staatsschergen den Zugang zu meinen Daten erschweren, ja unmöglich machen. So kam ich bald zum Gnu/Linux-Betriebssystem Ubuntu, das von Haus aus eine Verschlüsselung des gesamten Systems anbot und immer noch anbietet. Innerhalb weniger Tage stieg ich komplett auf Ubuntu um (inzwischen nutze ich das freiere Debian Gnu/Linux ) und kam so in den Genuss eines sicheren Systems, das es mir mit seinen unzähligen Programmen und Angeboten ermöglichte, verschlüsselt zu Mailen und zu chatten und meine Daten vor dem Zugriff Dritter effizient zu schützen.

Erst nach und nach wurde mir klar, dass mir mit Gnu/Linux ein Betriebssystem auf der Festplatte lag, das durch die Philosophie der Freien Software und die Arbeitsweisen ihrer Communities viele Anknüpfungspunkte zum Anarchismus hat.

Geschichte der Freien Software

Ich tendiere mehr zu der linken anarchistischen Idee, daß wir uns freiwillig zusammensetzen und ausdenken sollen, wie wir durch Zusammenarbeit für alle sorgen können.” [Richard Stallman]

Die Geschichte der Freien Software reicht bis in die 1960er Jahre zurück und ist eng mit dem Namen Richard Stallman, der sich nicht als Anarchisten versteht und sogar den Staat verteidigt³, verbunden (Bitte lest meinen Nachtrag zu Stallman am Ende des Artikels.). Stallman ist nicht der Erfinder der Freien Software. Software war bis Ende der 1960er Jahre grundsätzlich – wenn auch nicht absichtlich – frei. Das hieß, ihr von Menschen lesbarer Quellcode war jeder Person frei zugänglich. Sie folgte der akademischen Überzeugung, dass Wissen offen zugänglich sein sollte, da nur so wissenschaftliches Arbeiten möglich wäre. Programmierer*innen und Wissenschaftler*innen teilten frei und ungezwungen den Quellcode jeglicher Software. Desweiteren war die Software bis dahin eher ein Beiwerk zur teuren Hardware.

Stallman war der erste, der die Problematik der sich immer mehr ausbreitenden Unsitte der geschlossenen, jemensch gehörenden (also proprietären) Software erkannte, benannte und anprangerte. Gleichzeitig begann er, sich bewusst mit der gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Dimension von quelloffener Software zu beschäftigen. Nachdem er im Jahr 1984 das GNU-Projekt gegründet hatte, folgte ein Jahr später die Free Software Foundation (FSF), die seither weltweit für Freie Software und gegen z.b. Softwarepatente oder das Digital Rights Management (DRM) kämpft.

Als dann im Jahr 1991 der finnische Student Linus Torvalds die erste Version des Betriebssystemkerns Linux (Linux-Kernel) veröffentlichte, diese später unter die GPL-Lizenz stellte und in den folgenden Jahren das Internet rasant an Fahrt gewann, waren der Entwicklung Freier Software kaum noch Grenzen gesetzt. Tausende von Menschen programmierten, was das Zeug hielt und schufen viele nützliche Anwendungen. Heute existieren weit über hundert verschiedene GNU/Linux-Distributionen, vom einsteiger*innenfreundlichen Linux Mint bis hin zum hochspezialisierten Scientific Linux, das unter anderem im Forschungszentrum Cern Anwendung findet. Hinzu kommen abertausende von einfachen und hochkomplexen Anwendungen.

In der Geschichte der Freien Software wird die Ablehnung von Geheimwissen und geistigem Eigentum deutlich. So wurde bewusst das erlangte Wissen für alle offen zugänglich gemacht oder auf Anfrage weitergereicht und bei Problemen gemeinsam an deren Lösung gearbeitet. Solidarisches Handeln war eine Selbstverständlichkeit. Und so wird es auch heute noch gehandhabt.

Die Definition Freier Software

Freie Software unterliegt einer klaren Definition, die in vier Freiheiten (0-3) gegliedert ist4:

Ein Programm ist freie Software, wenn Nutzer des Programms die vier wesentlichen Freiheiten haben:

  • Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen (Freiheit 0).
  • Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Bedürfnissen der Datenverarbeitung anzupassen (Freiheit 1). Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.
  • Die Freiheit, das Programm weiterzuverbreiten und damit seinen Mitmenschen zu helfen (Freiheit 2).
  • Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert (Freiheit 3). Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.“

Aus anarchistischer Sicht finde ich die Freiheiten zwei und drei besonders interessant : „…und damit seinen Mitmenschen zu helfen“ und „…damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert“. Hier wird das Prinzip der Solidarität, der gegenseitigen Hilfe deutlich, das also in der Definition von Freier Software schon fest verankert ist.
Immer wieder für Kritik sorgt Freiheit 0, die Freiheit, das Programm für jeden Zweck ausführen zu dürfen. Das schließt wirklich alles ein, also auch z.B. die militärische und polizeiliche Nutzung. So steigt die russische Armee auf das debianbasierte Astra Linux um5 – weil Microsofts Windows zu unsicher sei. Die niedersächsische Polizei stieg aus Kosten- und Sicherheitsgründen schon 2003 auf Linux um6 und die französische Gendarmerie nutzt seit 2007 das auf Ubuntu basierende GendBuntu7. US-Militärdrohnen fliegen auf Basis des Linux-Kernels.8 Versuche, enstprechende Ausschlussklauseln (Non Military, Non Intelligence) oder – positiv formuliert – Zivilklauseln in die Freie Software-Lizenzen einzubauen, scheitern regelmäßig. Stallman argumentiert z. B., dass wir auch die Nutzung von Stiften, Telefonen und Schreibmaschinen nicht reglementieren könnten, nur weil sie auch für schlimme Zwecke benutzt würden.9
Der oftmals synonym benutzte Begriff Open Source-Software ist auf rein technischer Basis deckungsgleich mit Freier Software. Die dahinterstehende Philosophie legt aber keinen Wert auf den Begriff der Freiheit, klammert diesen sogar absichtlich aus, um niemanden zu verschrecken und marktfähiger zu sein. Die Vertreter*innen der Freien Software-Bewegung argumentieren, dass es aber diesen Begriff der Freiheit braucht, um das Wesen der Sache zu verdeutlichen und politische Bedeutung zu behalten. Seit einigen Jahren wird vermehrt die diplomatische Abkürzung FOSS oder FLOSS benutzt: Free (Libre) Open Source Software benutzt.
Desweiteren gibt es die sogenannte Freeware. Diese ist zwar kostenlos (frei wie in Freibier), aber ihr Quellcode ist meist geschlossen und proprietär.

Auch Freie Software unterliegt Lizenzen

„Lizenzen? Was kümmern mich die? Als Anarchist*in nutze ich halt gecrackte proprietäre Programme.“ Das ist eine u. a. auch aus finazieller Sicht verständliche und von vielen praktizierte Herangehensweise. Vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass mensch Microsoft und Co. eins auswischen würde. Oder einfach aus Bequemlichkeit und Gewohnheit heraus.

Also, wofür braucht eine Freie Software-Bewegung Lizenzen? Sind Lizenzen nicht per se Einschränkungen von Nutzungsmöglichkeiten? Nicht im Fall der Lizenzen, die für Freie Software entwickelt wurden. Sie garantieren den Fortbestand der gewährten Freiheiten innerhalb des bürgerlichen Rechtsstaates und der kapitalistischen Verwertungslogik. Das heißt zum Beispiel, dass ein einmal unter der GPL-Lizenz veröffentlichtes Programm, immer frei bleiben wird und auch alle Programme, die daraus weiterentwickelt werden.

Hier ein paar Beispiele:

Die Lizenz GPL
„Die GNU General Public License – die Allgemeine Öffentliche GNU-Lizenz – ist eine freie Copyleft-Lizenz für Software und andere Arten von Werken.“10
Die GPL ist sicher die bekannteste Lizenz, die das Copyleft garantiert. Formuliert wurde sie 1989 von Richard Stallman für sein GNU-Projekt, um zu sichern, dass die darin enthaltene Software frei bleibt.

Die Copyleftklausel
„Copyleft ist eine allgemeine Methode, ein Programm (oder anderes Werk) frei zu machen und zu verlangen, dass alle modifizierten und erweiterten Programmversionen ebenfalls frei sind.“11 Copyleft ist keine Lizenz, sondern ein wichtiger Bestandteil vieler Lizenzen, die bestimmte Freiheiten garantieren sollen.

Die Lizenz WTFPL (Do What The Fuck You Want To Public License)
Im Gegensatz zu allen anderen Lizenzen, die den Nutzer*innen die Freiheiten der Werke gewährleisten wollen, besteht die WTFPL nicht aus unzähligen Paragrafen, sondern nur aus einem Satz: „0. You just DO WHAT THE FUCK YOU WANT TO.“12 Sinngemäß in etwa „ Du machst einfach, was du verdammt nochmal tun willst.“. Die WTFPL kommt nur sehr selten zum Einsatz.

Es gibt ca. 30 Lizenzen für freie Inhalte. Diese beschränken sich schon lange nicht mehr nur auf Software, sondern befassen sich mittlerweile mit Kunst, Musik, Literatur, Wissenschaft und Technik. Besonders hervorzuheben sind hier die verschiedenen Creative Commons-Lizenzen.13 Natürlich bewegen sich die Lizenzen innerhalb des Rechts des jeweiligen Staates und sie sind nicht frei von Fehlern. Aber ich sehe sie als eine Art Notwehr an. So wie wir oft auch vor Gericht mit Paragrafen und Recht argumentieren, um uns zu verteidigen, so nutzen wir auch hier die Spielräume, die uns eingeräumt werden.

Die Verbreitung Freier Software

Um Freie Software zu nutzen, muss mensch kein Computernerd sein und auch nicht GNU/Linux auf dem PC installiert haben. Unzählige Programme verrichten unbemerkt von den Nutzer*innen ihre Arbeit in DSL-Routern, auf Servern, in Fernsehgeräten, Smartphones, DVD-Playern, Supermarktkassen und vielen anderen elektronischen Produkten.

Millionen Menschen nutzen z.b. den Internetbrowser Firefox, den Emailclienten Thunderbird, die Büropakete Openoffice oder Libreoffice, das Bildbearbeitungsprogramm Gimp, das Desktop Publishing-Programm Scribus (auch diese Zeitschrift wird mit ihm erstellt.), die Blogsoftware WordPress, die Filehosting Software Nextcloud, das Content Management System Drupal und zig weitere.
Die millionen Server, die das Internet bilden, werden zu einem Großteil mit Freier Software, meist Apache, betrieben.
Milliarden Smartphones laufen mit dem unfreien aber auf dem Linux-Kernel basierenden Android von Google. Immer mehr nutzen entgooglete, freie Androidversionen, wie z. B. LineageOS, /e/ OS oder CalyxOS.14
Zunehmend mehr Menschen nutzen komplette Betriebssysteme, die weitestgehend frei sind: GNU/Linux und seine Distributionen wie Linux Mint, Ubuntu, Debian Gnu/Linux , Open Suse, Arch Linux und viele andere. Menschen, die darauf angewiesen sind, dass sie keine oder kaum Spuren im netz hinterlassen, nutzen das auf Anonymität und Privatsphäre fokussierte Linux-Live-System Tails.15
Freie Software ist also weiter verbreitet, als die meisten Menschen annehmen würden. Das sagt aber noch nichts über ihre gesellschaftliche Wirkung aus. Diese kann sich erst dann entfalten, wenn die Menschen Freie Software mit Absicht nutzen, verbreiten und sich ihrer Freiheit bewusst sind.
Das tun z.B. linke und anarchistische Tech-Kollektive (Riseup, Autistici/Inventati, Disroot, Immerda, Calyx Institute…). Sie bieten Dienste, die auf Freier Software basieren, für (nicht nur) politische Einzelpersonen und Gruppen an. Sie tun das, weil sie den gesellschaftlichen Wert von Freier Software erkannt haben: Sie ist eines von vielen Werkzeugen im Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse.
Eine kritische Auseinandersetzung mit Technologie und der digitalisierten Gesellschaft ist hier wichtig. Wer denkt, Technologie könne gesellschaftliche Probleme lösen oder uns gar zur Sozialen Revolution führen, liegt falsch. Hier empfehle ich, sich z. B. mit den Texten von capulcu16 auseinanderzusetzen.

Wie entsteht Freie Software?

Da die Bedürfnisse der Menschen keine zufälligen sind, entstehen freie Softwareprojekte“17

Wir orientieren uns an den Bedürfnissen unserer Anwender und der Gemeinschaft für Freie Software.“18

Freie Software fällt nicht einfach so vom Himmel, sondern wird wie jede andere Software programmiert. Doch wer ist so frei und programmiert einfach so und meist, ohne dafür mit Geld entlohnt zu werden, all diese nützlichen kleinen und großen Programme? Allein für Debian Gnu/Linux (und somit auch für alle auf diesem basierenden Betriebssysteme wie Ubuntu oder Linux Mint) gibt es über 57.000 Programmpakete.19 Ungefähr 1000 offizielle Entwickler*innen programmieren für diese GNU/Linux-Distribution.20

Viele große (IT-) Konzerne unterstützen inzwischen Freie Software-Projekte aus reinem Eigennutz, da sie auf die Software angewiesen sind. Sie stellen Angestellte frei, damit diese zu den entsprechenden Programmen Code beitragen. Es gibt Schätzungen, dass ca. 90 Prozent des aktuellen Linux-Kernels von diesen programmiert wurden.21

Freie Software entsteht aber oft aus reinem Eigennutz: Ein*e Programmierer*in benötigt eine bestimmte Anwendung. Also wird sie programmiert und der Quellcode veröffentlicht. Andere Menschen finden das Programm nützlich, ergänzen den Code um weitere Funktionen, beseitigen Fehler und stellen den neuen Quellcode wiederum online. So kann um das Projekt herum eine Community entstehen, die das Programm betreut, stetig verbessert und aktualisiert. Anderen gefällt die Richtung, die das Projekt einschlägt nicht. Sie machen einen Fork (eine Abzweigung) und entwickeln das Programm in ihrem Sinne weiter und auch davon wird der Quellcode veröffentlicht. Freie Software folgt den Bedürfnissen der Menschen. Der russische Anarchist Pjotr Kropotkin (1842 – 1921) hätte dieses Organisationsprinzip und die Communities Freie Vereinbarungen genannt.

Vom Nutzen und Wert Freier Software

Der erste Antrieb Freier Software ist die Nützlichkeit. Der erste Konsument ist der Produzent. Es tritt kein Tausch und kein Geld dazwischen, es zählt nur die Frage: Macht die Software das, was ich will?“22

Fangen wir mit dem Wert an: Im Jahr 2012 wurde der Wert der damals aktuellen Version von Debian Gnu/Linux, Debian 7 „Wheezy“, grob auf 14,4 Milliarden € geschätzt.23 Doch diese Summe landete in keiner Geldbörse und auf keinem Konzernkonto. Sie wurde einfach nie erwirtschaftet.
Freie Software ist wertlos im besten Sinn des Wortes: Sie stellt sich außerhalb der kapitalistischen Verwertungslogik, es macht keinen Sinn, sie zu verkaufen oder zu kaufen.
Freie Software ist aber nützlich. Sie erfüllt unzählige Zwecke, bietet viele Funktionen und kreiert so einen Freiraum, eine Nische in der durch und durch kapitalisierten Gesellschaft und ihrer Ökonomie. Die Freie Software-Bewegung schafft das, was Anarchist*innen und Antikapitalist*innen im Großen erreichen wollen: Sie macht den Kapitalismus nutzlos und überwindet ihn. Das ist zwar erstmal auf die digitale Ebene beschränkt, wirkt aber immer mehr in die Gesellschaft hinein und berührt und verändert das materielle Leben.

Geld verdienen mit Freier Software

Das geht und kann auch ausdrücklich durch z.b. die GPL-Lizenzen erlaubt sein.
Es gibt durchaus Firmen, die mit Freier Software Geld verdienen. Sie bieten Freie Software an und lassen sich dann die Dienstleistung daran bezahlen: Schulung, Administration, Wartung und Pflege. Zu den Kund*innen zählen in erster Linie andere Firmen oder Behörden.
Auch viele Entwickler*innen und Programmierer*innen verdienen mit dem erstellen freier Software Geld im Auftrag großer Konzerne wie z. B. Google.
Ubuntu, eines der bekanntesten und am meisten genutzten GNU/Linux-Betriebssysteme für den Desktop und das Laptop, wird zu einem großen Teil von der Firma Canonical gesponsert, die einen Jahresumsatz von ca. 30 Millionen US-Dollar macht. Ihr Besitzer, der Millionär Mark Shuttleworth, ist bekennender Kapitalist und will mit Ubuntu irgendwann Geld verdienen.

Die Freie Hardware-Bewegung

Freies Hardware-Design
(Technische) Geräte, deren Baupläne (z.B. Schaltpläne, Leiterplattendesign) sowie Dokumentation (Bedienungsanweisungen, Interface-Definitionen etc.) unter freien Lizenzen wie der GPL genutzt werden können (der Informationsanteil ist frei im Sinne der vier Freiheiten, der materielle Anteil nicht). Handelt es sich bei der verwendeten Lizenz um die GPL, spricht man auch von GPL-Hardware.
Frei verfügbare Hardware
(Technische) Geräte, die darüber hinaus (ähnlich wie Freie Software und Freie Inhalte) allen Interessierten frei zur Verfügung stehen (was bedeutet, dass die materielle Knappheit an diesen Geräten überwunden sein muss).24

Die Idee der Freien Software schwappt auch hier und da auf das „Real Life“, die Hardware über oder besser gesagt zurück. Es entstand und entsteht eine Freie Hardware-Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Produkte ohne Lizenzbeschränkungen zu entwickeln. Das reicht von der Entwicklung eines freien 64-Bit-Hauptprozessors mit Linux über Prothesen und Traktoren bis hin zu Opencola.
Immer geht es dabei darum, Menschen uneingeschränkten Zugang zu Wissen und Information zu ermöglichen. Proprietäre Lizenzen sind hier oft die größten Hürden, da sie viel Geld kosten können. Gemeinsam entwickelt auch hier eine Community die Grundlage für ein Produkt, das allen Menschen zu gute kommt unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten.

0. Freiheit (primäre Freiheit): Die Freiheit, ein Werk für jeden Zweck einsetzen zu dürfen.
1. Freiheit (wissenschaftliche Freiheit): Die Freiheit, untersuchen zu dürfen, wie ein Werk funktioniert, und es den eigenen Bedürfnissen anzupassen.
2. Freiheit (soziale Freiheit): Die Freiheit, das Werk an andere weiterzugeben und Kopien für andere machen zu dürfen.
3. Freiheit (konstruktive Freiheit): Die Freiheit, das Werk zu verbessern zu dürfen unhttps://e.foundation/d diese Verbesserungen zum allgemeinen Wohl zugänglich zu machen.25

Diese vier Freiheiten zeigen deutlich die Nähe zur Freien Software-Bewegung. Die Umsetzung von der Idee zum fertigen Produkt ist bei Hardware natürlich ungleich aufwändiger, da wir es hier mit Materie und nicht nur mit Einsen und Nullen zu tun haben: Es braucht Werkzeug, Maschinen, Rohstoffe, Energie, Geld und vieles mehr.

Die anarchistische Bewegung und Freie Software

Nach meiner Beobachtung ist Freie Software und ihre Nutzung in der anarchistischen Bewegung stärker vertreten als im Rest der Gesellschaft. Zahlen dazu kenne ich keine. Gründe dafür sind meiner Meinung nach der antikapitalistische und libertäre Charakter Freier Software und die Möglichkeit sich mit einfachen Bordmitteln ein halbwegs sicheres System zusammenzustellen, das eine verschlüsselte Verwaltung und Weitergabe von Daten ermöglicht.
Auf der anderen Seite bin ich immer wieder überrascht, wie viele dann doch proprietäre Software nutzen. Eine Umstellung fällt schwer. Besonders, wenn mensch gerne die neuesten Spiele zockt oder auf bestimmte Software angewiesen ist, die es nur für Windows oder Apple-Hardware gibt.
Aber ich denke dennoch, dass die Gründe, die für Freie Software sprechen, uns als Anarchist*innen ansprechen müssten. Der Umstieg fällt leichter, wenn mensch sich Gleichgesinnte sucht, sei es online oder im echten Leben. Es gibt zu jeder GNU/Linux-Distribution und zu vielen freien Programmen eine Community und ein Forum, die Hilfe anbieten. In größeren Städten finden sich meist sogenannte Linux User Groups, die sich regelmäßg treffen und Veranstaltungen organisieren.
In organisierten anarchistischen Gruppen und Föderationen müsste es zu mehr Skill-Sharing kommen: Die Computer-Nerds der Gruppen bieten Workshops an, in denen Endgeräte auf Freie Software umgestellt, Gnu/Linux-Distributionen installiert werden und die Anwendung der Software geübt wird. Das hat auch den Effekt, dass sich Computer-Wissen allgemeiner verbreitet und Hierarchien abgebaut werden.

Aussichten

Die wenigsten Menschen hinter der Freien Software sind Anarchist*innen. Aber das müssen sie auch gar nicht sein. Das, was sie tun, trägt den Keim einer freieren Gesellschaft auch ohne Label in sich. Die Grundlagen sind vielversprechend und schon jetzt befruchten sie andere gesellschaftliche Bereiche und schaffen neue Ideen oder bringen Althergebrachtes wieder ans Licht.

Zur weiteren Verbreitung Freier Software tragen u. a. seit 2013 ungewollt die NSA und Konsorten („Was, die Geheimdienste überwachen unsere digitalen Daten?“; so stiegen seither die Nutzer*innenzahlen von Riseup-Diensten in nie gekannte Höhen) und ihre Datensammelwut bei. Denn aufgrund des offenen und somit von Menschen lesbaren Quellcodes kann eine Freie Software von vielen auf Sicherheit und Hintertüren kontrolliert werden. Sie bietet – werden bestimmte Regeln eingehalten wie z. B. gute einmalige Passwörter – mehr Schutz vor Ausspähung und Auswertung von Endgeräten durch Geheimdienste, Polizeien und Konzerne. So scheiterten z. B. die Bullen grandios daran, die beschlagnahmten Geräte der Betroffenen der linksunten-Razzien zu entschlüsseln.

Die Verwendung, Verbreitung, Programmierung und Unterstützung (ja, auch Geldspenden werden gerne angenommen) Freier Software ist Widerstand gegen den Status Quo. Nur darf es nicht dabei bleiben. Eine nur auf digitaler Ebene freiere Gesellschaft nutzt letztendlich niemandem. Eine gegenseitige Befruchtung tut not und geschieht schon hier und da.

In diesem Sinne: apt-get install anarchism!26

Nachtrag zu Richard Stallman (27.03.2021):
Im Jahr 2019 trat Stallman von seinen Ämtern im MIT und der FSF zurück. Grund dafür waren seine widerlichen, frauenfeindlichen Äußerungen im Zuge der Epstein-Affäre. Aber auch vorher ist er immer wieder durch sexistische Witze, transfeindliche Sprüche, Pädophilie verhamlosende Aussagen und seinen Ableismus aufgefallen. Er scheint da im großen und Ganzen lernresistent zu sein, manche seiner Aussagen hat er im Nachhinein abgemildert oder zurückgenommen. Hier findet ihr einige Links, die das Thema genauer beleuchten: 1, 2, 3
Ich bin durch diesen aktuellen Artikel auf golem.de auf das ganze Thema aufmerksam geworden: golem.de/news/fsf-suse-und-red-hat-fordern-stallmans-ruecktritt-2103-155279.html

Endnoten

¹ Die Originalversion könnt ihr hier nachlesen: https://nigra.noblogs.org/post/2013/10/28/alles-fuer-alle-und-zwar-umsonst-freie-software-und-anarchismus/ oder seit Anfang 2020 im linksunten-Archiv https://linksunten.archive.indymedia.org/node/98264/index.html (alle alten Links zu linksunten funktionieren somit wieder).

² Aus „Die Anarchie der Hacker – Richard Stallman und die Freie-Software-Bewegung“ von Christian Imhorst. Zum freien Download auf der Seite des Autors: https://texte.datenteiler.de/die-anarchie-der-hacker-ebook/

³ Siehe hier: https://stallman.org/articles/why-we-need-a-state.html

4 Siehe z.B. hier: https://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html

5 Siehe z.B. hier: https://www.derstandard.at/story/2000104309796/russisches-militaer-wechselt-zu-linux-bundesheer-zu-windows-10

6 Siehe z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Open-Source-Software_in_%C3%B6ffentlichen_Einrichtungen#Nieders%C3%A4chsische_Polizei

7 Siehe z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Open-Source-Software_in_%C3%B6ffentlichen_Einrichtungen#Franz%C3%B6sische_Gendarmerie

8 Siehe z.B. hier: https://taz.de/Daten-von-US-Drohnen-leicht-zugaenglich/!5080213/

9 Siehe z.B. hier: https://fsfe.org/campaigns/gplv3/barcelona-rms-transcript.en.html#q11-banning-bad-use

10 Siehe z.B. hier: http://www.gnu.de/documents/gpl.de.html

11 Siehe z.B. hier: https://www.gnu.org/copyleft/copyleft.de.html

12 Siehe z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/WTFPL
13 Siehe hier: https://creativecommons.org/licenses/?lang=de und https://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons

14 Siehe hier: https://lineageos.org/, hier: https://e.foundation/ und hier: https://calyxos.org/

15 Siehe hier: https://tails.boum.org

16 Siehe hier: https://capulcu.blackblogs.org/

17 Aus „Linux und Co – Freie Software – Iddeen für eine andere Gesellschaft“ von Stefan Meretz

18 Aus dem Gesellschaftsvertrag von Debian, siehe auch http://www.debian.org/social_contract
19 Siehe z. B. hier: https://www.debian.org/releases/stable/amd64/release-notes/ch-whats-new.en.html#idm120

20 Siehe z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Debian

21 Siehe hier: Broschüre der fsfe „Public Money – Public Code“, S. 12, Punkt 02 oder hier: https://download.fsfe.org/campaigns/pmpc/PMPC-Modernising-with-Free-Software.de.pdf

22 Aus „Linux und Co – Freie Software – Iddeen für eine andere Gesellschaft“ von Stefan Meretz

23 Siehe z.B. hier: https://www.golem.de/news/open-source-debian-projekt-auf-14-milliarden-euro-geschaetzt-1202-89793.html

24 Siehe hier: https://www.freie-gesellschaft.de/wiki/Freie_Hardware

25 Siehe z. B. Hier: https://www.freie-gesellschaft.de/wiki/Vier_Freiheiten

26 Befehl für die Kommandozeile in Debian und debianbasierenden GNU/Linux-Distributionen, um die FAQ zum Thema Anarchismus auf englisch herunterzuladen. Zu finden ist diese umfangreiche Textsammlung zum Thema Anarchismus dann im Dateisystem unter /usr/share/doc/anarchism (die html-Dateien lassen sich in einem Browser öffnen) oder immer (auch für Nutzer*innen anderer Betriebssysteme) auf http://www.infoshop.org/AnAnarchistFAQ]

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Zero Covid – Realismus in Zeiten der Pandemie

Die Kampagne Zero Covid wird von vielen Linken und natürlich auch von ganz anderer Seite als autoritär und nicht durchführbar bezeichnet, da sie das tägliche Leben noch härter und tiefgreifender herunterfahren wolle. Darum könne sie auch gar nicht links sein.

Ich frage mich, was autoritärer ist: Das ständige willkürliche Hin und Her von Lockerungen und Einschränkungen; der Zwang, trotz hohem Ansteckungsrisiko weiterhin zur Maloche gehen zu müssen und im Gegenzug in der Freizeit alleine zu versauern; geschlossene Grenzen für Menschen, offene für Warenverkehr…

Die Idee von Zero Covid ist ein zeitlich beschränkter, solidarischer, radikaler Shutdown von Arbeit und Freizeit, um null Ansteckungen zu erreichen. Das ist zwar hart aber das Ende ist absehbar. Und genau das – das Ende der Pandemie – ist beim derzeitigen Affentheater in weite Ferne gerückt. Was ja auch klar ist: Wir gehen alle weiterhin arbeiten, leben weiterhin in beengten Verhältnissen, viele in Sammelunterkünften, quetschen uns weiterhin im öffentlichen Nahverkehr zusammen und stecken uns alle gegenseitig an. Da helfen die krassen Einschränkungen im Privaten wenig.

[Comic aus der Zero Covid-Zeitung; Künstler*in: foxitalic.de]

Hier wird eines ganz deutlich: Die Politik folgt im Großen und Ganzen den Kapitalinteressen. Dass das grundsätzlich keine gute Idee ist, sagen wir linksgrünversifften Anarcho-Kommie-Gutmenschen ja schon lange. Jetzt in der Pandemie sind alle Scheinwerfer auf diese Art des Rumwurschtelns gerichtet.

Also sollten wir jetzt doch mal zur Abwechslung das Richtige tun: Lasst uns nicht den Kapitalinteressen folgen, sondern den Bedürfnissen der Menschen. Und diese sind: Gesundheit, Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und soziale Bindungen.
„Ahhhhrghhh, aber wer soll das alles zahlen? Dafür ist doch kein Geld da!“ Doch, natürlich ist dafür Geld da und zwar in Hülle und Fülle. Erstens haben sich die reichsten der Reichen an Corona dumm und dämlich verdient: Her mit der Kohle! Sie gehört sowieso uns! Und zweitens können bestimmte Banken Geld einfach so aus dem Nichts erschaffen. Das wurde z. B. während der Finanzkrise 2008 im großen Stil getan, um systemrelevante Banken und Konzerne zu retten. Die Zeiten, in denen das sich in Umlauf befindliche Geld durch Gold gedeckt sein musste, sind schon lange vorbei. Das heißt, dass alle Menschen, die finanzielle Unterstützung während eines solidarischen Shutdowns benötigen, diese auch erhalten könnten. Wenn die Politik das beschließen würde.

[Comic aus der Zero Covid-Zeitung; Künstler*in: foxitalic.de]

[Comic aus der Zero Covid-Zeitung; Künstler*in: foxitalic.de]Vor fünf Tagen ist nun die erste Ausgabe der Zero Covid-Zeitung (hier auch als PDF)erschienen. Sie ist inhaltlich gut aufgestellt: Sie bildet den pandemischen Istzustand und wie es zu ihm kommen konnte ab ohne zu polemisieren oder rumzujammern. Und sie bietet Lösungsvorschläge und fordert uns alle auf, aktiv zu werden.

Also, Leute, hier ist sie, die lang ersehnte linke Intervention gegen die Pandemie und die staatlich-kapitalistischen, halbherzigen Versuche diese zu bekämpfen um gleichzeitig Business as usual betreiben zu können.

Für mich ist Zero Covid die einzige ernst zu nehmende breit aufgestellte linke Kampagne zum Thema Corona (hier spannt sich der Bogen von Anarch@s, Gewerkschafter*innen über Kommies und Kulturschaffenden bis hin zu parteilich und anders organisierten Leuten).
Sie ist eine gut durchdachte (nicht perfekte!) und vor allen Dingen machbare Intervention. Sie ist nicht utopisch, militanzromantisch, revolutionär oder gar anarchistisch – sie ist pragmatisch radikal und das auf solidarischer Basis.

Zero Covid – Solidarität in den Zeiten der Pandemie

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10 Jahre tunesische Revolution: aktueller Text auf SchwarzerPfeil

Im Januar 2011 erlebte Tunesien eine Revolution, die sich zum sogenannten arabischen Frühling ausweitete und bis heute Nachbeben erzeugt.

Ich habe damals einige Texte dazu geschrieben [1, 2, 3, 4, 5], das Thema dann aber aus den Augen verloren.

Auf SchwarzerPfeil ist nun eine lesenswerte Übersetzung eines aktuellen CrimethInc.-Textes erschienen. Geschrieben hat ihn ein*e Tunesier*in.

 

 

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Wahlqual 2021 – Teil 6

Wählt uns: Wir, die Klimaliste denken und handeln für euch!

Das Super-Wahljahr hat begonnen: In Baden-Württemberg stehen im März Landtagswahlen und in Schland im September Bundestagswahlen an. Wir haben wieder die Wahl der Qual. Ich werde mich hier hin und wieder über die lästigen, peinlichen und lügenden Wahlplakate der unterschiedlichen Parteien lustig machen. Heute ist die neue Partei KlimalisteBW dran.

Ein schlichtes, in grün gehaltenes Plakat mit dem Spruch „Für alle, die auf Taten warten“ der Partei KlimalisteBW schreit mich an: „Wähl uns: Wir, die Klimaliste denken und handeln für dich!“. Das ist die Essenz der parlamentarischen Demokratie auf engsten Raum gequetscht. Gib deine Stimme ab, beauftrage XY mit irgendwas und XY wird es für dich erledigen. Du brauchst nicht weiter tätig werden, das Warten auf Taten hat ein Ende, denn jetzt ist XY am Start. Alle haben auf genau ihn*sie gewartet. Puh, endlich unternimmt jemensch was…oder XY macht dann doch, was er*sie will. Oh…

Beim Kampf gegen die Klimakrise brauchen wir keine Avangarde die für uns handelt, sondern wir brauchen schlicht überall an allen Ecken und Enden Menschen und Organisationen, die handeln. Das kann im Angesicht der drängenden Zeit von mir aus auch eine Partei sein (meine Sicht darauf habe ich hier näher ausgeführt). Zum Glück haben die Menschen mit ihren Taten nicht auf die KlimalisteBW gewartet, sondern überall auf der Welt schon mal ohne sie angefangen. Die Klimaliste ist eine Folge davon und nicht umgekehrt.

System change – not climate change!

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Wahlqual 2021 – Teil 5

Die Partei Die Partei hängt Plakate auf und die Bullen hängen sie wieder ab

Das Super-Wahljahr hat begonnen: In Baden-Württemberg stehen im März Landtagswahlen und in Schland im September Bundestagswahlen an. Wir haben wieder die Wahl der Qual. Ich werde mich hier hin und wieder über die lästigen, peinlichen und lügenden Wahlplakate der unterschiedlichen Parteien lustig machen. Heute ist die ehemalige Satire-Partei Die Partei dran (auch wenn ich mich in diesem Fall nicht über deren Plakate lustig mache).

Nazis töten! Nazis töten? Nazis töten. Satzzeichen haben in der deutschen Schriftsprache schon eine gewisse Wichtigkeit: Sie verleihen dem vorangestellten Satz seine Bedeutung. Ist er eine Aufforderung, eine Fragestellung (sie wie dieser Satz) oder eine schlichte Aussage? Dass mit solchen Feinheiten deutsche Staatsanwaltschaften und Durchschnittsbullen überfordert sein könnten, liegt nahe und wird hin und wieder durch entsprechende Aktionen bewiesen. So hat es dieses Jahr auch die Offenburger Ortsgruppe der Satire-Partei Die Partei getroffen. Sie haben das schon mehrmals in anderen Städten inkriminierte Plakat „Nazis töten.“ in der Stadt aufgehängt. Prompt gab es eine Anzeige (von wem wohl? Taras „Gollum“ Maygutiak, übernehmen Sie!) und die Offenburger Staatsanwaltschaft und Provinzbullen haben nichts besseres zu tun, als zu springen: Alle entsprechenden Plakate wurden von ihnen abgehängt. Dass in allen anderen Fällen die Ermittlungen eingestellt wurden, interessiert hier nicht.
Zur Zeit wird ein Strafantrag gegen den lokalen Boss der Partei geprüft.
Tja, Business as usual.

 

 

 

 

 

 

 

Business es usual gilt inzwischen auch für die Alltagsgeschäfte der Partei: Auch bei ihr geht es darum, Pfründe zu sichern (immerhin beträgt allein der Grundbezug im EU-Parlament über 8000 € im Monat), innerparteiliche und persönliche Streitereien offen auszutragen, Machtspielchen zu zelebrieren und die Satire des anderen als „Das ist keine Satire mehr!“ zu brandmarken. Selbst die männerlastige Satire-Partei ist sich scheinbar nicht mehr sicher, ob Satire alles darf. Bin ich mir übrigens auch nicht.

Nachtrag 17.02.2021: Inzwischen mussten die Bullen die Plakate wieder aufhängen…

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