die demo für alle in stuttgart

wenn christlicher fundamentalismus, nazismus, paranoia und die angst vor veränderung eine irre melange bilden

am gestrigen samstag fand zum ersten mal seit fast einem halben jahr wieder eine „demo für alle“ der „besorgten eltern“ in stuttgart statt. über 1000 christliche fundamentalist*innen, rechte und nazis demonstrierten vorgeblich gegen den neuen bildungsplan der grün-roten landesregierung in baden-württemberg. 500 menschen fanden sich zu gegenprotesten auf dem schlossplatz ein.

das bündnis stuttgart ist und bleibt bunt hatte auf dem schlossplatz ab 14 uhr eine kundgebung angemeldet zu der sich im laufe der zeit über 500 menschen einfanden. es war ein breites spektrum, das seine ablehnung gegenüber den „besorgten eltern“ und deren forderungen und weltsicht ausdrückte.
neben einem hiphop-act traten mehrer redner*innen auf, die immer wieder betonten, dass stuttgart eine bunte und tolerante stadt sei mit einer offenen gesellschaft. das alles wirkte im angesicht der tausenden von vorbeieilenden, shoppenden, nichts-von-alledem-wissen-wollenden passant*innen bisweilen surreal und aufgesetzt.

als sich dann ab ca. 15 uhr die fundis und ihre freund*innen um das schillerdenkmal sammelten, begaben sich immer mehr menschen an den nordzugang zum benachbarten schillerplatz, um diesen zu blockieren. das mehrere hundertschaften umfassende bullenaufgebot inklusive reiter*innenstaffel riegelte die fünf zugänge mit gittern ab und ließ nur menschen durch die schleußen, die nicht in ihr oberflächliches raster passten. so gelang es immer wieder aktivist*innen auf den schillerplatz zu kommen und akzente gegen die hetzreden der rechten gläubischen zu setzen: von parolen rufen über stinkbomben bis hin zu fahnen schwenken.
gegen 16 uhr 30 stellte sich die „demo für alle“ am nordausgang auf, um in richtung opernhaus zu marschieren. doch der ausgang wurde von mehr und mehr menschen blockiert, die mit ironischen parolen, das weltbild der fundis verarschten, konfetti regnen ließen, straßentheater veranstalteten, transparente und schilder hochhielten und gut gelaunt waren. auch durch mehrere aufforderungen durch die bullen, ließen sie sich nicht vom blockieren abhalten.
die „demo für alle“ wurde schließlich durch einen anderen ausgang eskortiert. begleitet von protesten und hunderten von bullen kam sie schließlich am alten opernhaus an.

(da ich nicht bis zum ende anwesend war, solltet ihr den ausführlichen bericht des antifaschistischen aktionsbündnisses stuttgart & region (aabs) lesen.)

für mich war es erschreckend zu sehen, was für eine gefährliche mischung an ideologien und wahnvorstellungen sich auf dem schillerplatz versammelt hatte. es mag sein, dass dort wirklich eltern am start waren, die um das wohl ihrer kinder besorgt sind. hörte mensch sich aber die reden dort an, schaute sich die transparente, fahnen und gesichter an, liest sich die texte auf den entsprechenden websites durch, wird schnell klar, dass wir es hier hauptsächlich mit menschen und gruppen zu tun haben, die eine extrem ausgrenzende, nationalistische und von religiösem fanatismus geprägte weltanschauung vetreten. so spricht eine deutschlandfahne auf der in weißer schrift zu lesen ist „jesus ist herr“ bände.
ich war an diesem tag nicht vor ort, um den bildungsplan der grün-roten regierung zu verteidigen, sondern um genau gegen diesen jesus-ist-herr-schwachsinn zu protestieren. ich will keinen anderen bildunsgplan. ich will gar keinen bildungsplan, da ich das schulsystem mit seinem leistungsdruck, seiner notengebung, seiner hierarchie, seiner zurichtungsdynamik ablehne.

homophobie ist doof.
religion ist noch doofer.
die demo für alle ist am allerdoofsten.

anarchie ist cool.

[wenn ihr die fotos anklickt, werden sie größer.]

This entry was posted in antifaschismus, demobericht, feminismus, religion. Bookmark the permalink.

One Response to die demo für alle in stuttgart

  1. Pingback: Keine Ruhe den rechten Hetzern | Ein Poesiealbum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.