tunesien in der revolte

die menschen in tunesien haben keine angst mehr. und das ist auch die vielgerufene parole in den straßen von tunis und anderen städten des nordafrikanischen landes im maghreb: „wir haben keine angst mehr!“

sie haben keine angst mehr, obwohl das regime unter zine el-abidine ben ali ohne gnade gegen die widerständigen menschen vorgeht. die krankenhäuser sind voll von verletzten demonstrant_innen und es soll schon über 60 tote geben.

inzwischen haben sich den protesten der zuerst nur jugendlichen auch die gewerkschaft, journalist_innen und viele andere menschen angeschlossen. es wurden sogar „verbrüderungsszenen“ zwischen demonstrant_innen und angehörigen der armee beobachtet. so sollen sich auch soldaten zwischen die anrückende polizei und die protestierenden menschen gestellt haben, um diese zu schützen.

trotz starker internetzensur und überwachung des alltags (in tunesien arbeitet ein prozent der bevölkerung bei den sicherheitsbehörden…) wachsen die proteste noch immer an und sogar die presse bringt in der zwischenzeit berichte und fotos darüber. aber immer noch gleichgeschaltet und ben ali hörig.

immer lauter werden die forderungen nach einer absetzung des diktators und seiner clique. für den heutigen freitag haben mehrere gewerkschaften zu einem generalstreik aufgerufen. es wurde eine ausgangssperre zwischen 19 und 7 uhr verhängt.

in den übrigen maghrebischen ländern haben die mächtigen angst davor, dass die menschen dort sich der sozialen revolte über die grenzen hinweg anschließen könnten: in marokko z.b. wurden mehrere solidaritätskundgebungen vorsorglich verboten.

die französische innenministerin alliot-marie hat dem tunesischen regime schützenhilfe in form von „polizeilichem know-how“ angeboten. sie wolle damit auch helfen, „das demonstrationsrecht zu gewährleisten.“ die internationale zusammenarbeit der polizeien nimmt immer abstrusere formen an…

auf der offiziellen deutschen seite des tunesischen fremdenverkehrsamtes erfahren wir kein wort über die revolte. es wird über neue flughäfen und sahara-festivals berichtet.

in bern und paris gab es anschläge auf die tunesische botschaft und das konsulat.

es ist bewundernswert, wie standhaft die menschen in tunesien bleiben. im angesicht von scharfschützen, armeeeinsatz, zivilpolizisten, internetzensur, ausgangssperre, tränengas, scharfer munition, unzähligen verletzter und vielen toten.

ben ali hat nun der polizei verboten, auf die menschen zu schießen. in einer rede stellte er pressefreiheit, eine herabsetzung der lebensmittelpreise und ein unzensiertes internet in aussicht. auch wolle er 2014 nicht mehr kandidieren.

bleibt zu hoffen, dass die menschen in tunesien ihm und seinem regime nicht auf den leim gehen und sie zum teufel jagen.

à bas ben ali!
vive la peuple de la tunisie!

zum weiterlesen:
labornet tunesien
taz
video
telepolis
junge welt
hintergrund
euronews

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gaza-tunesien-algerien-türkei

auch die jugend in islasmisch geprägten ländern hat die schnauze voll. das ist kein vorrecht der jugend der westlichen industrienationen.

seit einigen wochen gibt es immer mehr nachrichten über widerstand und rebellion aus gaza, der türkei, tunesien und algerien.

angefangen hat es mit dem manifest der jugend von gaza, das schon mitte dezember veröffentlicht und auf indymedia linksunten und in der taz übersetzt wurde.
wohltuend ist hier die wut auf beide seiten des israel/palästina-konflikts: „fick dich, hamas. fick dich, israel. fick dich, fatah. fick dich, un. fick dich, unwra. fick dich, usa!“ aus jeder zeile des manifests quillt die entäuschung, die angst, der hass, die wut, das „genug!“ und der wille zu veränderung.
sowohl die hamas, die fatah und israel bekommen einen spiegel vorgehalten, der ihnen zeigt, was sie mit ihrer kranken politik anrichten. die jugendlichen stellen sich in ihrem text nur auf eine seite, nämlich auf ihre eigene.

in tunesien, wo der islam offiziell staatsreligion und ein autoritäres regime unter zine el-abidine ben ali an der macht ist, verbrannte sich am 17. dezember 2010 ein junger gemüsehändler aus protest gegen polizeischikane. während er brannte, rief er: „schluss mit der armut! schluss mit der arbeitslosigkeit!“ von bis zu zwei weiteren selbstmorden ist die rede.
nachdem am 5.1. über 5000 menschen an dem begräbnis mohammed bouazizis teilnahmen, weiteten sich die proteste gegen armut und arbeitslosigkeit über ganz tunesien aus. es kam zu streiks, straßenschlachten und anonymous startete aus solidarität mit den menschen in tunesien die „operation tunesien“.

im ebenfalls islamischen nachbarland algerien kam es vor allem in der hauptstadt algier aber auch in anderen teilen des landes zu straßenschlachten mit der polizei. auslöser scheint auch hier vordergründig die schlechte wirtschaftliche lage zu sein, in der sich der großteil der menschen befindet, während wenige reiche immer reicher werden, geschützt von einem durch das militär gelenkten regime.

in der türkei kam es am mittwoch in ankara zu zusammenstößen zwischen linken studierenden und der polizei. eine demonstration gegen bildungsabbau und gewalttätige einsätze der polizei gegen frühere student_innendemonstrationen, die zur zentrale der regierungspartei akp marschieren wollte, wurde von der polizei mit tränengas und wasserwerfern angegriffen.

bei keinem dieser proteste spielte religion eine rolle. zumindest war dies nirgends herauszulesen. im manifest aus gaza steht z.b. ausdrücklich „…genug…der religiösen scheiße…!“

hier stehen jugendliche, gut vernetzt und informiert durch das internet, gegen ihre jeweiligen autoritären systeme und deren nutznießer_innen, die religiösen hass fördern, freiheit unterdrücken und armut brauchen, um selbst reich zu bleiben.

inwiefern diese proteste untereinander vernetzt sind, ist schwer zu sagen. wissen tun sie voneinander: das netz ist ein dorf…

der jugend in gaza, tunesien, algerien und der türkei gilt nigras solidariät.
koran, thora und bibel in die tonne kloppen.
regierungen stürzen.
leben.

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6 monate knast für genfeldbefreiung

in einem blog beschreibt jörg bergstedt, wie es ihm im gießener knast ergeht und gibt einblicke in absurde und unmenschliche zustände.

2006 befreite jörg mit anderen aktivist_innen ein feld von genetisch veränderter gerste.
im september 2010 musste er dafür nach jahrelangem hickhack eine sechsmonatige haftstrafe antreten.

jörg ist nicht rund um die uhr eingesperrt, sondern hat immer wieder „freie“ tage, die er zur renovierung der projektwerkstatt in saaßen und zum schreiben nutzt. sogar als verteidiger von cecile lecomte versuchte er sich, wurde aber vom staatsanwalt und richter mundtot gemacht.

so plätschern für ihn die tage in der lächerlichen bürokratie des knastes vorüber. und darüber (und über mehr) schreibt er sehr lesenswert und unterhaltsam. er liest aber auch gerne. besonders post von draußen.

in drei monaten ist er wieder draußen.

100 000e andere werden dann immer noch in den knästen schmoren.

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einen anderen weg gehen…

…will die fda mit gaidào, ihrer neuen zeitung.

um das forum deutschsprachiger anarchist_innen war es die letzten  jahre eher ruhig, nun meldet es sich mit dieser lesenswerten publikation zurück. inhaltlich beschäftigt gaidào sich mit anarchismus in der türkei, belarus und rumänien. verschiedene anarchistische gruppen (libertäre gruppe karlruhe, libetäre aktion winterthur) stellen sich vor. die fau und die webseite syndikalismus.tk werden vorgestellt und es gibt eine termineseite.

wird es die gaidào auch auf papier geben? keine ahnung. dazu schweigt sich die redaktion aus. bis es vielleicht soweit ist, könnt ihr sie auf dem blog lesen, dort oder hier runterladen.

改道 改道]

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linksradikaler geheimdienst gegründet…

tja, simon, das hast du nun davon.

auf indymedia linksunten ist ein artikel zum dauerbrenner „simon, der spitzel“ veröffentlicht worden. scheinbar wurde ein äußerst effektiver linksradikaler geheimdienst aus dem boden gestampft, der sogleich seinen ersten fall erfolgreich erledigt hat. so wurden simon brenners echte identität, sein soziales umfeld und sein beruflicher werdegang  ans tageslicht geholt. aua, simon, das tut weh.

ist rache süß?
ja, das ist sie.
und simon flennt.

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grenzüberschreitende spitzel

auf heise ist ein lesenswerter artikel über die grenzüberschreitende arbeit verdeckter ermittler_innen erschienen. in ihm wird auch bezug auf den fall „simon brenner“ genommen.

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simon brenner oder wie sehr überrascht es uns, dass der staat uns bespitzelt?

 

mitte dezember 2010 wurde in heidelberg ein junger mann enttarnt, der für das landeskriminalamt baden-württemberg die linke szene heidelbergs ausforschen sollte. er war fast ein jahr aktiv und wurde nur durch einen zufall aufgedeckt. er nannte sich lustigerweise nach einem kriminalromanhelden „simon brenner“. [1, 2, 3]

die empörung ist groß, viele fühlen sich ungerecht behandelt, sehen in dem vorgehen des lka’s eine (was ja auch stimmen mag) illegale polizeiliche handlung und fragen sich wie weit es mit der demokratie und der trennung von polizei und geheimdienst her ist.

auf der einen seite will wohl die überwiegend große mehrheit der außerparlamentarischen linken in deutschland eine andere gesellschaft und einen komplett anderen, wenn nicht sogar gar keinen staat. auf der anderen seite berufen sich (nicht nur in diesem fall) viele auf die demokratische grundordnung und empören sich ob der staatlichen bespitzelung.

aus sicht des staates, seiner schergen und behörden ist es nur logisch, menschen und gruppen zu überwachen und auszuspionieren, die dessen grundlegende veränderung oder auflösung fordern und sich dafür die ärsche aufreißen.

wenn dann einige sich darüber aufregen, dass hier legale gruppen ohne hinreichenden verdachtsmoment verdeckt überwacht würden, kann ich nur den kopf schütteln. die infiltrierten (kritische initiative heidelberg) und vermeintlich anvisierten (antifaschistische initiative heidelberg) gruppen sind keine „legalen“ gruppen. sie sind nur nicht verboten. und zwar eher weil sie keine wirkliche bedrohung für den staat sind. d.h. aber nicht dass sie staatstragend wären. im gegenteil sind es radikale gruppen, die den staat grundlegend in frage stellen und alternativen zu ihm suchen. die aihd lehnt die herrschaft von menschen über menschen ab und die ki strebt eine gesellschaft ohne hierarchien an. [das gefällt nigra.] wären diese gruppen groß genug und staatszersetzender, wären sie ruckzuck verboten und damit „illegal“.

das vorgehen der polizei soll hier nicht gutgeredet oder heruntergespielt werden. es ist widerlich. auch würde ich nicht dagegen sprechen, dass wir uns selbst der in der tat vorhandenen vorteile bedienen, die ein rechtsstaat bietet. aber wir sollten mal auf dem boden der tatsachen bleiben und dazu stehen, was wir wollen: nämlich eine grundlegende umwälzung der herrschenden verhältnisse. das schließt natürlich die abschaffung des lka’s, der polizeien, geheimdienste, des staates und seiner behörden ein. ob wir uns nun sozialist_innen, kommunist_innen oder anarchist_innen nennen: keinEr von uns steht auf dem boden des grundgesetzes und darum werden wir bespitzelt, überwacht, diffamiert, mit repression genervt, verklagt und oft genug eingesperrt. das ist scheiße, aber realität.

dass bespitzelt zu werden, keine schöne sache ist, ist klar. wenn es um so einen lang angesetzten einsatz wie bei simon brenner geht, dann sind immer entstandene freundschaften, vertrauen und manchmal auch romantische beziehungen im spiel. kommt es zur entarnung, brechen für die betroffenen genoss_innen welten zusammen. das ist traumatisierend und kann soweit gehen, dass mensch seine politische arbeit komplett einstellt. fakt ist, dass diese unfeine art zu den methoden des staates gehört und solange dazugehören wird, bis wir ihn abgeschafft haben werden. wir müssen uns der tatsache bewusst sein, dass es immer simon brenners in unseren zusamenhängen geben kann.

wie gehen wir mit so einer situation um? wir können, wie es teilweise getan wird, uns in selbstmitleid ergehen. wir können uns lähmen lassen. wir können noch paranoider werden. wir können uns noch mehr in unsere netten linken nischen zurückziehen. wir können den ganzen scheiß sein lassen und mitschwimmen.

wir können aber auch, bevor es passiert, offen darüber sprechen und versuchen einen guten umgang mit diesen tatsachen zu entwickeln, der uns handlungsfähig sein lässt. grundlage unseres kampfes ist immer auch vertrauen in unsere genoss_innen. aber auch das willkommenheißen neuer menschen, die mit uns kämpfen wollen, gehört dazu. schließlich wollen wir wachsen und mehr werden. ohne kritische masse wird das nämlich nix mit der umwälzung oder der sozialen revolution. wir dürfen nicht in jedEm neuzugang simon brenner sehen. in den allerwenigsten fällen ist er es. wie viel mehr menschen würden sich in unseren zusamenhängen engagieren, wenn wir nicht so misstrauisch, konspirativ und ablehnend neuen gegenüber wären.

wir brauchen strukturen, die traumatisierte menschen, die opfer einer bespitzelung wurden, auffangen und ihnen hilfestellung leisten.

es gibt die rote hilfe, das abc und andere gruppen, die sich auf antireppressions- und antiknastarbeit „spezialisiert“ haben.

auf camps gibt es immer wieder traumasupport und out of action gruppen, die sich um menschen kümmern, die von polizeigewalt betroffen sind.

so eine „wir wurden bespitzelt! helft uns!“-struktur kann durchaus informell und lokal verankert sein. sie kann einfach das netzwerk von menschen und gruppen vor ort sein, die sich mit den betroffenen öffentlich solidarisieren und sich als menschen treffen und zuhören und die öffentlichkeitsarbeit mittragen. ob wir eine formelle struktur, ein pendant zur roten hilfe, brauchen, ist schwer zu sagen. im moment sieht es nicht danach aus: es werden nicht jeden tag dutzende von simon brenners enttarnt und ganze szenen traumatisiert und zerschlagen. [was natürlich nicht heißt, dass es nicht mehr von diesen merkwürdigen menschen in unseren gruppen gibt.]

die heidelberger szene ist nicht so klein, als dass sie das nicht hinkriegen würde. auch im fall des berufsverbots für den heidelberger lehrer und antifaschisten michael csaszkóczy wurde dort spektrenübergreifend, öffentlickeitswirksam und erfolgreich interveniert.

simon brenner soll flennen.
wir machen weiter.
unverdrossen.
solidarität mit den genoss_innen der ki.

hier findet ihr ein paar linx zu anderen spitzelfällen:
– marc „stone/kennedy“, england
– rob gilchrist, neuseeland
-spätzle stasi, 1992
– grenzüberschreitende spitzel, 29.12.2010 auf heise

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warum ist nigra nun bei noblogs?

noblogs ist werbefrei. noblogs speichert keine logdateien, die rückschlüsse auf die blogger_innen zulassen. noblogs teilt mit nigra die prinzipien des antifaschismus, des antirassismus, des antisexismus und eine nichtkommerzielle haltung.

noblogs bzw das autistici/inventati kollektiv sind teil einer bewegung von links unten, zu der sich nigra ebenfalls zählt.

auch wenn die handhabung unter noblogs nigra nicht so leicht fällt wie unter blogsport (beide nutzen wordpress), überwiegen die datenschutztechnischen und politischen aspekte.

noblogs rules!

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umzug beendet

ab heute wird nigra hier bei noblogs zuhause sein. nigra auf blogsport bleibt als archiv erhalten.

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nigra zieht um

ab heute findet ihr nigra hier.
dieser blog bleibt als archiv bestehen wird aber nicht weitergeführt.

wir sehn uns auf noblogs und in den straßen!

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