am 24. februar razzte die polizei medienwirksam das einzige besetzte haus in freiburg.
als antwort darauf wird es am 5. märz in freiburg eine nicht angemeldete demo geben.
am 24. februar razzte die polizei medienwirksam das einzige besetzte haus in freiburg.
als antwort darauf wird es am 5. märz in freiburg eine nicht angemeldete demo geben.
tunesien, ägypten, bahrain, jemen, iran, irak und wisconsin/usa: es gärt an vielen ecken und enden (na ja, außer bei uns…).
in libyen ist aus den protesten ein blutiger bürger_innenkrieg geworden, da der oberbefehlhaber der streitkräfte und revolutionsführer gaddafi und seine bande ihre macht nicht so leicht aus den händen geben wollen, wie ben ali und mubarak. die armee ist zersplittert in pro-gaddafis und denen, die auf seiten der aufständischen stehen.
muammar al-gaddafi ist seit 1969 unangefochtener herrscher in libyen, auch wenn es offiziell ein basisdemokratischer staat mit einem siebenköpfigen rat ist. gaddafi ist der führer, der diktator, der könig, der alles-alleine-bestimmer. punkt.
vor ein paar jahren wollte er die schweiz abschaffen. seine leibgarde besteht aus 40 jungfräulichen elitesoldatinnen. er forderte von den ehemaligen kolonialmächten in afrika 777 billionen dollar als wiedergutmachung (was ja eigentlich gar nicht verrückt ist…oder doch?). er arbeitete jahrelang auf eine eigene atombombe hin. er erfand das „auto der zukunft“ für ca. 2 millionen €. „es gibt keinen demokratischen staat auf diesem planeten ausser Libyen.“ gaddafi.
viele dieser annektdoten sind ja bekannt und wir haben über einige gelacht. in ihrer gesamtheit verquickt mit der libyschen geschichte der letzten 42 jahre und vor allem den berichten der letzten zwei wochen machen sie eines klar: der typ ist wirklich und in echt wahnsinnig.
macht korrumpiert: eine – nicht nur bei anarchist_innen – gängige binsenweisheit. macht macht wahnsinnig: auch das ist nicht gerade eine seltenheit, dafür gibt es viele historische beispiele. aber bei gaddafi ist es besonders deutlich und live zu beobachten. seine irren verlautbarungen, wahlweise unter einem regenschirm, nehmen kein ende: ausländische mächte hätten der jugend drogen gegeben, damit diese rebelliere. al-quaida sei schuld an der ganzen misere. und das beste, das was ihn für mich wirklich verrückt und durchgeknallt erscheinen lässt: er selbst habe ja gar keine macht, nur eine symbolische. die ganze macht läge beim volk…
glaubt der das wirklich? ist es kalkül? will er verwirrung stiften und stiften gehen?
naja, auf jeden fall will er bis zur letzten kugel und bis zum tod kämpfen (sehr dramatisch…). die frage ist da nur, wofür will er kämpfen? er steht mit seinen getreuen so ziemlich alleine da. langjährige verbündete haben ihm den rücken zugekehrt oder sich gleich auf die seite der aufständischen geschlagen. so ziemlich alle staaten, sogar seine treuen freunde aus europa und die usa wenden sich von ihm ab und seine konten sind eingefroren.
die menschen in libyen wollen ihn loswerden. er will so viele von ihnen mit in den tod reißen. gebietet ihm das seine ehre? befehlen ihm das innere stimmen? was geht in so einem machtmenschen vor? steht er noch mit beiden beinen auf dem boden? nimmt er die belange der menschen um ihn herum noch wahr und ernst?
wer schon mit lokalpolitiker_innen auf tuchfühlung war und in verhandlungen mit ihnen über was auch immer, kennt das: sie scheinen gar nicht richtig zuzuhören, scheinen über einem zu schweben und dich nicht für voll zu nehmen. gespräche auf augenhöhe sind das in den seltensten fällen. gefühle von erniedringung, belächeltwerden und „das ist nur die halbe wahrheit“ bleiben zurück. und ein schaler geschmack auf der zunge. zum kotzreiz fehlt nicht viel.
wie abgehoben muss ein mensch sein, der eine um ein vielfaches größere macht besitzt? george w. bush hielt sich für von gott beauftragt. asexuelle päpste maßen sich an, über das sexualleben ihrer schäfchen bestimmen zu wollen. pol pott ließ alle brillenträger kambodschas umbringen. ex-bundeskanzler kohl ergaunerte in der cdu-spendenaffäre millionen und belog die gerichte (und kam damit durch…). berlusconi missbraucht seit jahren in aller öffentlichkeit sein amt als ministerpräsident, um die strafen für seine verbrechen als wirtschaftsmagnat mit speziell dafür geschaffenen gesetzen zu umschiffen und fühlt sich moralisch im recht.das als realitätsverlust zu bezeichnen, ist noch beschönigend.
diese wirkung von macht können wir im kleinen auf jeder demo bei polizeibeamt_innen, in der schule bei lehrer_innen, in den ämtern bei den sachbearbeiter_innen, in kaderorganisationen und auch in unserer szene bei den macher_innen bewundern: sie legen bei sich ein anderes maß an, als bei allen anderen. ich glaube auch, dass sie im laufe der zeit gar nicht anders können. einerseits wird es ihnen zugestanden, ja, von ihnen erwartet. andererseits sehen sie das als lohn für ihre überdurchschnittliche aufopferung für die sache/das volk/den staat/die firma/das vaterland/das projekt/…
dem gilt es gegenzusteuern. bei den hohen tieren, den schergen des systems ist hopfen und malz verloren. sie sind verdorben von der macht. doch bei uns selbst, in unseren zusammenhängen sollten wir genau aufpassen und intervenieren. bevor es zu spät ist. keine macht für niemand.
möge die macht nicht mit uns sein…
mit dem bus gings mitten in der nacht los nach dresden. unterwegs trafen wir immer mehr busse und bildeten den konvoi aus bayern und baden-württemberg. ohne kontakt zu nazis oder polizei erreichten wir um halb neun uhr morgens die ausfahrt dresden/prohlis . wir stiegen schon einige kilometer vor dresden aus und begannen mit weit über 1000 menschen den langen marsch in die stadt.
bei minusgraden bahnten wir uns den weg in die innenstadt, über uns der obligatorische helikopter.
in der reichenbachstraße/ecke gutzkowstraße dann die erste polizeikette. wir ließen uns aufspalten und abdrängen, eine kurze jagd durch höfe und gärten begann, begleitet von pfefferspray und tonfaschlägen.
der weg war nun von einer zweireihigen polizeikette und einem wasserwerfer abgeriegelt. wir sollten uns in die entgegengesetzte richtung bewegen, wo wir dann zu einem von der polizei bestimmten platz geleitet werden sollten. immer wieder gelang es kleinen gruppen durch die unorganisiert und planlos wirkenden einheiten der polizei zu brechen.
letztendlich landeten wir, von der polizei gelotst auf der kreuzung franklinstraße/strehlener straße, wo dann eine blockade begann. scheinbar machte dieser ort sinn, da er auf einer der möglichen nazirouten lag: die strehlener straße geht in die bayrische straße über, wo in höhe des hauptbahnhofes ein paar hundert nationalsozialisitsche jammergestalten herumlungerten und vergeblich darauf warteten, dass sie ihren glorreichen trauermarsch beginnen konnten.
versorgt mit heißer suppe, tee und der üblichen samba-gruppe, befanden wir uns nun südlich des hauptbahnhofs, sozusagen im aufmarschgebiet der nazis. in richtung norden durfte die blockade verlassen werden. umgekehrt wurde niemand zu uns durchgelassen. doch auch das gelang immer wieder: die polizeiabsperrungen und die dazugehörigen beamt_innen wurden einfach beiseite geschoben und gestoßen. hilflos mussten diese mitansehen, wie unsere blockade wuchs.
das herumliegende material einer angrenzenden baustelle und große mülltonnen wurden in mehr oder weniger sinnvolle straßensperren umfunktioniert, wobei der eine oder andere gegenstand seltsamerweise immer wieder in brand geriet. bei minusgraden ein vorteil. tiefschwarze rauchschwarten hüllten die nachbarschaft ein und verbreiteten einen ätzenden gestank.
über den ticker und die durchsagen des lautsprecherwagens erfuhren wir von anderen bestehenden blockadepunkten und es wurde so langsam klar, was schon wochen vorher erhofft wurde: die dämlichen nazis waren umsonst nach dresden gekommen und ihre zahl lag weit unter der der letzten jahre.
mehrere male versuchte die polizei sich stark in szene zu setzen, bahnte sich ruppig einen weg durch die sitzenden menschen, fuhr einen wasserwerfer auf und knüppelte immer wieder auf menschen ein. das alles zeigte wenig wirkung und beeindruckte die leute wenig: das ziel war solange zu bleiben, bis klar war, dass die nazis nicht marschieren würden. zivilcourage at it’s best: die menschen nehmen ihre belange selbst in die hände auch gegen den staat und seine gewaltmonopolistin, die polizei. allein das mitzuerleben ist es immer wieder wert, den ganzen scheiß mitzumachen. menschen zu sehen, die sich selbst ermächtigen gegen die autoritäten, ist wie ein energieschub, der mut macht.
in mehreren deligiertenplena wurde die lage besprochen und überlegt, wie es weitergehen könnte. die blockade sollte gehalten werden. einige wollten weiter zu anderen blockadepunkten, wieder andere wollten zum hauptbahnhof. dort landete auch nach einigem hinundher unsere bezugsgruppe. hier war partystimmung angesagt, da das scheitern der nazis schon sicher war: musik wummerte über den platz, es wurde getanzt und eine berliner vokü gab leckere vegane suppe aus.
mit guter laune, durchgefroren und müde erreichten wir unbeschadet um 18 uhr unseren bustreffpunkt, wo schon viele andere grinsende und erschöpfte leute saßen. alle aus unserem bus kamen unbeschadet wieder zurück. nach ein paar bieren schlummerten wir während der heimfahrt den schlaf der sieger_innen und träumten von einer welt ohne nazis…dresden ohne nazis hatten wir heute ja schon erreicht.
auch dieses jahr konnten die nazis also nicht marschieren. erreicht hatten das alle zusammen. weder die autonomen, die organisierten antifas, die sportlichen kleingruppen, noch die bürger_innen, gewerkschaften und parteien hätten dies einzeln geschafft. bündnisarbeit ist nicht immer leicht, aber der kleiste gemeinsame nenner, nämlich gegen nazis, scheint zumindest hier umsetzbar zu sein.



[wenn du die fotos anklickst, werden sie größer]
linx:
indymedia deutschland
no pasaran
dresden nazifrei (immer noch offline, nach der polizeirazzia)
husni mubarak hat sich gestern ins exil nach – nein, nicht baden-baden – scharm el scheich am roten meer verpisst. er hat seine macht in die hände des militärs gelegt.
die menschen in ägypten feiern diese erste etappe auf dem weg zu mehr freiheit. denn eine etappe muss es sein, wollen sie das system mubarak beseitigen. dieses besteht auch ohne ihn weiter: es hatte 30 jahre zeit zu wachsen und zu gedeihen, gehätschelt von den usa und europa.
zwischen der freiheit und den menschen steht jetzt noch dieses fest verankerte system, das bisher regimetreue militär und der folterknecht und geheimdienstchef omar suleiman. inwiefern die heute eher gemäßigten islamistischen muslimbrüder da noch reinfunken und sich doch noch auf einen gottesstaat mit netter scharia festlegen werden, bleibt abzuwarten.
für die frauen ägyptens scheint die revolution schon jetzt mehr freiheiten und möglichkeiten gebracht zu haben. denn nicht nur männer zeigten in den letzten 18 tagen bewundernswertes durchhaltevermögen, sondern auch – wie selbstverständlich – frauen aus allen schichten, mit und ohne schleier (hierzu gibt es in der taz gute artikel).
jetzt ist auf dem tahirplatz und in ganz ägypten erstmal party angesagt.
walk like an egyptian!
linx:
taz
labournet
le monde diplomatique
indymedia deutschland
am heutigen samstag demonstrierten im rahmen eines bundesweiten aktionstages in freiburg bei schönstem sonnenschein über 500 menschen unter dem motto „keine ausgrenzungen und abschiebungen! abschaffung des diskriminierenden asylbewerberleistungsgesetzes! schließung der lager!“ durch die innenstadt.
auftakt der demo war auf dem rathausplatz, wo es schon lecker vegane vokü/küfa/dinner for all (suchts euch aus…) gab, die samba-band einheizte und erste redebeiträge gegen das rassistische system in deutschland gehalten wurden.
die polizei zeigte wenig präsenz und hielt sich angenehm im hintergrund (was bis zum ende der demo auch so blieb).
mit der straßen- theatergruppe in ketten vorneweg ging es los: eine bunte menge bahnte sich ihren weg durch die innenstadt, über die kaiser-joseph-straße zur zwischenkundgebung auf dem augustinerplatz. einige wenige unschöne szenen mit herrenrassenmännern am rande der demo konnte die gute stimmung nicht kippen: sie wurden ausgelacht, ausgebuht und vertrieben.
der abschluss fand mit musik, essen und letzten redebeiträgen am platz der alten synagoge statt.
am siebten februar wird es im bundestag eine anhörung zum asylbewerberleistungsgesetz geben aufgrund der forderungen der fraktionen der grünen und die linke nach einer aufhebung des gesetzes.
die regeln des parlamentarischen zirkusses sind klar: auch wenn sachverständige von der basis zu wort kommen werden, die das tägliche elend der flüchtlinge in deutschland kennen, wird es, wenn überhaupt, ein seichtes reförmchen geben.
aber es gilt das rassistische lagersystem, die grundrechtswidrige praxis der abschiebehaft, das menschenfeindliche asylrecht und den stacheldraht um europa einzureißen.
und das werden nicht die seltsamen, überbezahlten politheinis in den parlamenten für uns erledigen.
no borders – no nations!
linx:
aktion bleiberecht
hintergründe
ein paar mehr fotos findet ihr auf der version des artikels auf indy linksunten.
infos zur demo und den hintergründen:
aktion bleiberecht
indymedia linksunten
die antifaschistische initiative heidelberg geht nach eigenen recherchen davon aus, dass nach der enttarnung simon brommas noch zwei weitere spitzel in der szene aktiv sind. die identität der beiden ist unbekannt. die aihd schreibt, dass es sich um einen mann und eine frau handeln soll.
die aihd fordert die behörden auf, zum schutz der beiden spitzel, den einsatz zu beenden, da damit zu rechnen sei, dass bei einer eventuellen enttarnung diese nicht so glimpflich davon kommen werden wie bromma. ja, das wird wohl weh tun.
wie geht die szene in heidelberg nun mit diesem halbwissen um? paranoia ick hör dir traspsen…
lest die presseerklärung der gruppe.
hier ist schon die zweite ausgabe der noch jungen zeitung des fda.
themen sind diesmal der aufruf zu den protesten gegen die g8/g20 gipfel in frankreich, faschismus (eine serie), der polizeispitzel „marc cardiff“ (ein kollege vom ollen mark stone/kennedy), ein nachruf auf paul peter zahl und vieles mehr.
unter anderem wurde eine art „jugendseite“ eingerichtet, die sich in dieser ausgabe dem themenkomplex religion-kirche-schule-jugend- anarchismus annähert.
auf papier gibts die 改道 改道]immer noch nicht…aber lesenswert ist sie allemal.
anarquia si!
hier oder rechts in der sidebar findet ihr ein video von anonymous an die menschen in ägypten.
errico malatesta – ungeschriebene autobiographie
diese besondere autobiographie ist 2009 bei edition nautilus in der reihe flugschriften erschienen. besonders ist sie deswegen, weil es eben keine echte autobiographie ist, da malatesta nie eine geschrieben hat. autobiographisch ist sie aber dennoch, da sie aus von malatetsa verfassten schriften und briefen an genoss_innen und freund_innen besteht. und nach jedem brief folgt eine anmerkung der herausgeber, die den text historisch einordnet und näher erklärt.
das buch ist sehr lesenswert. nicht nur weil es malatestas außergewöhnliches, wildes und spannendes leben beschreibt, sondern auch weil hier andere zeitgenössische anarchist_innen immer wieder auftauchen: bakunin, rocker und unzählige eher unbekannte. wir bekommen einen hautnahen einblick in die großen jahre des anarchismus.
malatesta führte ein langes politisches leben, das ihn schon in jugendjahren zum anarchisten werden ließ. es trieb ihn durch halb europa, nordafrika und südamerika. immer agitierend, für die revolution arbeitend und oft auf der flucht vor den behörden aller möglichen länder. wir werden zeugen haarsträubender revolutionsversuche, wilder kämpfe und nie versiegender lust am anarchismus.
nebenher war er stets darum bemüht, bescheiden und auf dem boden zu bleiben, was ihm sicher nicht immer leicht gefallen sein dürfte, da er unter anderem „der lenin italiens“ genannt wurde und schon zu lebzeiten lieder über ihn verfasst wurden. er war ein hochverehrter genosse der weltweiten anarchistischen bewegung und gefürchtet von seinen politischen gegnern.
der letzte teil des buches beschreibt die machtübernahme der faschisten unter mussolini in italien, die verfestigung der diktatur, die aufkommende zensur und die dauerüberwachung unter der malatesta bis zu seinem tode in rom leiden musste.
anarchist blieb er bis zum ende.
malatesta war schon immer mein lieblingsanarchist. dieses buch bestätigt dies.
errico malatesta – ungeschriebene autobiographie
nautilus flugschrift/edition nautilus
isbn 978-3-89401-594-7
14,90 €