there is no alternative – kapitalismus überwinden! 600 (nicht nur) anarchist_innen auf demonstration in mannheim

von helis, der polizei und vernetzten menschen

bei ausdauerndem regen, umringt von mehreren hundertschaften demonstrierten über 600 menschen in mannheim gegen die kapitalistische gesellschaft und für ein herrschaftsfreies leben.

im bus von freiburg über offenburg nach mannheim

der bus war voller gut gelaunter menschen, fast alle plätze waren belegt. kurz hinter karlsruhe auf der a 5 gesellte sich ein hubschrauber der polizei zu uns. die übliche paranoia? der ist doch nicht wegen uns da, oder? der überwacht nur die autobahn, um staus frühzeitig melden zu können…

spätestens als wir die a 5 verließen, auf die a 6 umschwenkten und der hubschrauber im tiefflug an uns klebte, wurde klar: der gehörte zu uns.

der rastplatz hockenheim west war zugeschissen mit bfe-wannen aus bruchsal und lahr. kaum passierten wir ihn, fuhren sie los und nahmen uns in die zange, um uns auf den nächsten parkplatz zu lotsen. dort warteten noch mehr freund_innen und helfer_innen.

nun wurde jede_r einzeln aus dem bus befohlen, um dann akribisch durchsucht zu werden. das ging teilweise bis auf die unterhose und die socken. rucksäcke, taschen, geldbeutel, erstehilfe-material, bücher: alles wurde unter die lupe genommen. die personalien wurden aufgenommen und immer wieder wurden „unverfängliche“ fragen gestellt. die abgefertigten genoss_innen wurden in einen halbkreis aus polizist_innen gebracht, wo dann auf das ende der aktion gewartet wurde. als der bus dann leer war, kam er an die reihe: er wurde geentert, abgefilmt und ebenso akribisch durchsucht wie wir. es wurden einige angeblich gegen das versammlungsrecht verstoßende gegenstände gefunden und beschlagnahmt. zum glück hatten wir keinen kartoffelsalat und plätzchen an bord. nach einer kurzen ansprache des einsatzleiters und dem deutlichen hinweis, dass die mannheimer einsatzleitung keine aktionen außer der genehmigten demonstration dulden würde, durften wir weiter fahren.

die demo

in mannheim kamen wir am weihnachtsmarkt an und machten erstmal eine kleine aber feine spontandemonstration zum hauptbahnhof.

dort wurden gerade die unmöglichen und lächerlichen auflagen verlesen. der platz war komplett von polizei umringt, in den seitenstraßen standen wannen und einsatztrupps.

mehrere hundert menschen waren schon da und begrüßten uns lautstark. nun konnte es eigentlich losgehen. ging es aber nicht. die demo-orga verhandelte mit der einsatzleitung: wir wollen nicht im spalier laufen.

irgendwann fing es auch noch zu regnen an. bullen zu fuß und hoch zu ross um uns und wasser von oben: eine kombination, die nervt.

endlich ging es los. inzwischen waren wir nach ersten zählungen zwischen 600 und 700 menschen, die durch fast menschenleere aber viel befahrene straßen zogen (unsere route durch den planken und die innenstadt wurde auch nach langen vorverhandlungen nicht genehmigt: das weihnachtsgeschäft und das recht auf konsum sind höhere güter als es das demonstrationsrecht ist.). an die wenigen menschen, die uns begegneten und sich rantrauten, wurden flyer und die gaidao-sonderausgabe zur demo verteilt. vor und hinter uns unzählige wannen und polizist_innen, neben uns ein enges spalier: die sind gefährlich und müssen bewacht werden! kommen sie lieber nicht zu nahe!

immer wieder kam es zu rangeleien mit polizist_innen, ein fotograf wurde von einem gewaltaffinen helfer in rüstung während des fotografierens geschlagen und die demospitze wurde ständig von der polizei bedrängt, ausgebremst und genervt. und der regen legte auch noch einen zahn zu. yeah!

nach weiteren verhandlungen sicherte die einsatzleitung zu, das spalier aufzulösen: es sollten nur noch jeweils 15 beamt_innen an den seiten marschieren. das wurde halbwegs eingehalten. im gegenzug schwollen die bullenblöcke am anfang und ende der demo an.

am neumarkt endete die demo: durchnässt, durchgefroren, aber trotz allem gut gelaunt. auch hier wurden wie bei den zwischenstopps (am schloss, auf dem neuen messeplatz) reden verlesen. deren inhalte (migration, kapitalismus und geschlechterverhältnis, nationalismus, „was tun wir anarchist_innen?“,…) waren breit gefächert, spannten aber immer den bogen zur grundlegenden kritik am kapitalismus.

spontan demonstrierten wir zum schluss durch die neckarstadt west zum jugendzentrum in selbstverwaltung friedrich dürr am neuen messeplatz, wo eine warme, vegane vokü bereit stand und am abend die soli-party für die zweite anarchistische buchmesse der anarchistischen gruppe mannheim stattfinden sollte. erste reflektionsgespräche, sich hinfläzen, ein bier trinken, trocknen.

was hat’s gebracht?

unsere plan, möglichst viele menschen in der innenstadt mit unseren ideen und inhalten in berührung zu bringen, wurde vom mannheimer ordnungsamt und der polizei verhindert. es war politischer wille, uns den zugang zum planken zu verwehren. begründet wurde dies in einem über 30seitigen schreiben. letztendlich bleibt die schnöde erkenntnis, dass das recht auf konsum höher gewertet wurde, als das versammlungsrecht von anarchist_innen. durchgesetzt werden konnte dies durch ein von der polizei aufgebautes gefahrenszenario, das uns als potenzielle gewalttäter_innen darstellte. ein klischeebild, das gerne angenommen wird.

das unglaubliche polizeiaufgebot machte spontane aktionen während der demo unmöglich. dennoch fanden zwei kurze selbstbestimmte demos statt.

die vorbereitung und die demo selbst haben aber eines ganz klar gezeigt: die anarchistische bewegung im deutschsprachigen raum gewinnt an fahrt und wächst.

es gab viele info- und mobilisierungsveranstaltungen, tausende flyer wurden im vorfeld verteilt und hunderte palakate geklebt.

waren es auf der ersten demo des anarchistischen netzwerks südwest* in karlsruhe im oktober 2011 noch 250 menschen, hat sich die zahl gestern mehr als verdoppelt. die maschen der netzwerke werden enger, wir werden effektiver und motivieren uns gegenseitig. es entstehen starke synergieeffekte, menschen lernen sich kennen, gruppen bilden und organisieren sich, föderationen werden gegründet. es macht spaß und mut, das mitzuerleben.

mit zuversicht in die zukunft.
für die anarchie.

[ zum vergrößern der fotos, draufklicken. einen weiteren artikel findet ihr hier und mehr fotos gibt’s hier.]

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